Magicum – Berlin Magic Museum

Ich hatte Besuch und wir haben beschlossen, das Magicum in Berlin zu besuchen. Es war – anders als gedacht, aber trotzdem nett. Aufgrund des Namens hatte ich ein Museum erwartet, dass sich mit Zaubertricks beschäftigt, ein bisschen wie der Film „Now you can see me“ oder das Buch „Der faule Henker“, aber dem war nicht so. Es ging um Magie und Übersinnliches, Rätsel, Zukunft, Weltsichten. Begrüßt wurden wir mit dem Ziehen von zwei Karten, die, anders als Tarot, das sich auf die Zukunft bezieht, auf unsere Gegenwart gerichtet waren. Dabei gab es zum einen ein Krafttier und zum anderen eine indische Gottheit, deren Bedeutungen in einem Buch gleich nachgelesen werden konnten. Außerdem wurde uns gezeigt, wie chinesische Klangschalen funktionieren, da es in der Ausstellung auch eine gab, die benutzt werden konnte.
Die Ausstellung befindet sich im Kellergeschoss. Das Gebäude passt gut zu dem Thema. Begonnen wird mit Ausstellungsstücken zu Alchemie und Astrologie, es geht über zu Weltreligionen und später Hexenverfolgung und endet in einem Raum, in dem neben Indormationen zu Aberglauben und Märchen Rätsel gelöst, Pendel und die Kangschale benutzt und Geburtszahlen ausgerechnet werden können. Dadurch, dass die meisten Informationen auf Papierblättern zur Verfügung stehen, hatte ich erst den Eindruck von geringerer Professionalität, aber fand später, dass es eher eine besondere Aufmerksamkeit ausdrückt und den Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, Änderungen sehr einfach umzusetzen. Außerdem sind alle Informationen auf Deutsch und Englisch vorhanden.
Auf dem Rückweg war ich überrascht, denn die Ausstellung war mir auf dem Hinweg weitaus größer vorgekommen. Wieder am Eingang angekommen hatten wir noch die Möglichkeit, Geschicklichkeitsspiele zu lösen und zu puzzeln.
Die Stimmung im Museum ist sehr familiär, alle Angestellten sind freundlich und sehr hilfs- und auskunftsbereit. Der Besuch hat sich definitiv gelohnt.

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Buch-Review: Die Landkarte der Zeit

Die Landkarte der ZeitDie Landkarte der Zeit von Félix J. Palma
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen

Eigentlich wusste ich gar nicht so genau, was ich ausleihen wollte, als ich das letzte Mal die Bücherei besucht habe. Als ich an den Hörbüchern vorbeigeschlendert bin, ist mir dieses ins Auge gesprungen. Ich hatte vorher noch nie etwas von dieser Reihe gehört, aber es einfach mal auf gut Glück mitgenommen. (Der dämonische Bibliothekar auf dem Klappentext hat den Ausschlag gegeben. Zum Glück habe ich das sofort wieder vergessen, denn – was ich kurz an dieser Stelle sagen muss – der Klappentext bei diesem Buch ist wirklich nicht gut, er weckt falsche Erwartungen, gibt kein gutes Gefühl für das Buch. Mir hat es zum Glück trotzdem wirklich gut gefallen).
Andreas Fröhlich liest hier großartig. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass ich die ganze Zeit and die drei ??? würde denken müssen, aber dem war überhaupt nicht so.
Das Buch behandelt drei Geschichten, die sehr lose miteinander verbunden sind, sich aber alle um die neue Attraktion in London Ende des 19. Jahrhunderts ranken – eine Zeitreisemaschine, die es den (zahlungsfähigen) Neugierigen erlaubt, eine Reise in das Jahr 2000 zu unternehmen, wo sie den dramatischen Kampf zwischen den Menschen und des Maschinenmenschen hautnah miterleben können. Dies ist allerdings nur der Ausgangspunkt für die Erlebnisse der drei Hauptpersonen in diesem Buch. Andrew hat den Lebenswillen verloren nachdem seine Geliebte grausam ermordet wurde, Claire sehnt sich danach, den Schranken zu entfliehen, die die Gesellschaft des viktorianischen Londons ihr auferlegt und würde am liebsten in die Zukunft reisen und dort bleiben und Inspektor Garret kann sich die Todesursachen einer Leiche nur mit den Waffen aus der Zukunft erklären.
Das Buch springt spannenderweise zwischen erklärbaren und unerklärbaren Phänomenen leicht hin und her, bindet reale Ereignisse, Personen und Modeerscheinungen mit ein, sodass ich dazu animiert wurde, noch mal nachzugucken: Wie war die Geschichte von Jack the Ripper noch mal genau? Was hat Jules Verne alles geschrieben? Von wem war noch mal Dracula? Und wann ging die erste Frauenbewegung genau los (die übrigens für meinen Geschmack gerne mehr hätte thematisiert werden können).
Felix Palma gelingt es, Wirklichkeit und Fiktion einzigartig miteinander zu verweben. Die Sprache ist angenehm zu lesen, die Dialoge gut geschrieben, manchmal zum Lachen, manchmal zum Nachdenken. Und natürlich wird das Thema Zeitreisen von allen Seiten beleuchtet, Theorien aufgestellt, Möglichkeiten ausgesponnen, umgesetzt oder verworfen.
Ich freue mich schon auf den zweiten und dritten Teil dieser Serie.

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Buch-Review: Miss Julias School of Beauty

Miss Julia's School of BeautyMiss Julia’s School of Beauty von Ann B. Ross
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternen

Mein Vorhaben, geografisch vielfältiger zu lesen als ich das sonst tue, hat mich zu diesem Hörbuch geführt, das in den Südstaaten spielt, genauer gesagt in Abbotsville, North Carolina. Dass es sich hierbei (mal wieder) um den Teil einer Reihe handelt, war mir nicht klar, aber okay, es gab viele Rückbeziehungen, sodass ich mich auch ganz gut zurecht gefunden habe, ohne die vorherigen Teile gelesen zu haben.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht Miss Julia. Sie ist nicht mehr die jüngste und eine typische Südstaatenlady, die sehr viel Wert auf ihre gesellschaftliche Stellung legt. Kurz vor Beginn dieser Geschichte hat die Sam in einer Nacht und Nebel Aktion geheiratet. Sie war vorher längere Zeit verwitwet und muss sich zunächst wieder an ein Eheleben gewöhnen. Aber es treten unerwartete Komplikationen auf, als sie und Sam erfahren, dass der Priester, der sie verheiratet hat, dazu eventuell gar nicht berechtigt war, sodass ihr Status als verheiratets Paar auf einmal nicht mehr sicher ist. Neben dieser vertrackten Situation, von der natürlich niemand erfahren darf, aber die in Julia auch Zweifel wecken, ob die Hochzeit die richtige Entscheidung war, hat sie außerdem alle Hände voll damit zu tun, bei der Ausrichtung eines Beauty Pagent Events zu helfen, das Spenden für die Polizeiarbeit bringen soll und gleichzeitig ihre beste Freundin davon abzuhalten, eine Feier zu Ehren ihrer Hochzeit zu organisieren.
Die Sprecherin des Hörbuchs hat mir ziemlich gut gefallen, der typische Südstaatendialekt war wunderbar getroffen, aber nicht so doll, dass ich Schwierigkeiten dabei hatte, sie zu verstehen. Die Geschichte an sich war in Ordnung und hat mich an einigen Stellen zum Lachen gebracht, sich aber an anderen ziemlich in die Länge gezogen. Vor allen Dingen kam mir das Hauptproblem – der unsichere Ehestatus – sehr lächerlich vor. Dass es für Julia so ein großes Problem war, zu entscheiden was zu tun sei, anstelle von einem kurzen klärenden Gespräch mit einem ordinierten Pfarrer zu führen hat mir gezeigt, wie sehr sich Kultur und die Moral sich sowohl mit dem Generationswechsel verschoben haben als auch in den Südstaaten besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Ich würde gerne noch einen halben Stern vergeben, bleibe aber bei „It was okay“ anstelle von „I liked it“. Die Miss Julia Reihe werde ich wohl nicht mehr weiterverfolgen, aber bedauert habe ich meinen kurzen Ausflug in Julias Welt nicht.

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Film-Review: Vessel

https://i1.wp.com/vesselthefilm.com/uploads/websites/456/1412792178.jpgAls ich neulich unterwegs war, habe ich ein Plakat gesehen: Heute Abend Vorführung des Films „Vessel – Past Land, Past Law, Past Permission“ auf Spendenbasis. Ich hatte an dem Abend noch nichts vor und dachte: Wieso nicht?
Bei dem Film handelt es sich um eine vielfach ausgezeichnete Dokumentation der Filmemacherin Diana Whitten zusammen mit ihrem Team. Sie begleiten die Niederländische Ärztin Rebecca Gomperts bei einem großartigen Projekt, das sie zusammen mit vielen Helfer_Innen ins Leben gerufen hat – den Women on Waves. Women on Waves unterstützt Frauen in Ländern, in den Abtreibungen verboten sind. Dabei besteht ein großer Teil darin, lokale Gruppen zu stärken und zu schulen, damit diese ihrerseits als Multiplikatoren dienen und Frauen unterstützen können, die eine Abtreibung als einzige Lösung ihrer Situation sehen. Allerdings ist das nicht alles. Sie planen auch Aktionen, die ganz gezielt Frauen vor Ort helfen. Dazu fahren sie mit ihrem Schiff in Länder wie Polen, Irland und (zum Zeitpunkt des Drehs) Portugal oder Spanien. Die Idee ist, Frauen an Bord zu lassen und mit ihnen zwölf Seemeilen hinaus aufs offenen Meer zu fahren. Dann befindet man sich in internationalen Gewässern und unter den Gesetzen des Landes, unter dessen Flagge das Schiff fährt, in diesem Fall den niederländischen. Auf dem Schiff befindet sich eine Spezialklinik, die aus nicht mehr als einem Raum besteht. Da nach niederländischen Recht Abtreibungen nicht verboten sind, allerdings in einer Klinik stattfinden müssen, können 12 Meilen vor der Küste legal Abtreibungen durchgeführt werden.
Abtreibungen können durch die Verabreichung einer Pille erreicht werden. Dies ist vor allem zu Beginn der Schwangerschaft möglich. Mit dem Wirkstoff der Pille werden krämpfe eingeleitet und die Frau erleidet eine Fehlgeburt. Frauen in Ländern, in denen Abtreibungen verboten sind, greifen zu drastischeren Mittlen um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Sie schlagen sich auf den Bauch, stochern mit spitzen Stöcken in ihrer Vagina herum oder trinken Bleach. Alle zehn Minuten stirbt eine Frau an den Folgen eines Abtreibungsversuches.
Der Film beleuchtet das Thema eingehend, erklärt Fakten, zeichnet den Weg nach, den Women on Waves beschritte haben und zeigt sowohl erfolgreiche Aktionen als auch Hindernisse, mit denen gekämpft werden musste. Er ist tiefgehend und ergreifend und hinterlässt in mir die Erkenntnis, in was für einer priviligierten Stellung ich mich befinde, in einer Gesellschaft zu leben, in der einerseits eine Abtreibung theoretisch möglich wäre, in der ich aber andererseits nicht schreckliche Folgen für mich oder mein Kind fürchten muss, wenn ich ungeplant schwanger werde.
Er hinterlässt Unverständnis, Unverstehen für Menschen, die mit so viel Kraft verhindern wollen, dass Frauen diese Möglichkeit verwehrt bleibt. Und er hinterlässt tiefe Bewunderung und Respekt für die Menschen (und vor allem Frauen), die sich mit so viel Kraft, Ideenreichtum und Unnachgibigkeit dafür einsetzen, diesen Umstand zu ändern. Mehr und genauere Informationen gibt es auf der Webseite http://vesselthefilm.com/

Das Museum für Film und Fernsehen

Ich habe das Museum für Film und Fersehen besucht. Jeden Sonntag gibt es eine kostenlose Führung um 14 Uhr, die etwa 90 min dauert. Ich war sehr erstaunt, dass wir an diesem Tag nur drei Menschen waren, die dem Museumsführer hinauf in den dritten Stock des Gebäudes gefolgt sind. Die Ausstellung war angenehm besucht, nicht leer, aber auch nicht überfüllt. Ich muss zugeben, dass ich zwar sehr gerne ins Kino gehe und Filme schaue, aber von Filmgeschichte nicht allzu viel Ahnung habe. Um so spannender war der Weg durch die Ausstellung, der breits Ende des 19. Jahrhunderts begann. Ich habe viele Dinge gelernt, unter anderem, dass die Schwarzweißfilme früher häufig nicht schwarz-weiß waren, sondern der Film eingefärbt worden ist, sodass es eigentlich schwarz-blau oder schwarz-rot oder ähnliches war. Die Farbe deutete dabei auf den Inhalt hin. Romantische Szenen waren in schwarz-rot gehalten, Szenen auf See oder bei Nacht in Schwarz blau, im Wald schwarz-grün… Und auch, dass Filme vor den Synchronisationstechniken, die es heute gibt einfach doppelt gedreht wurden, wobei die Schauspieler den Text in verschiedenen Sprachen vorgetragen haben, hat mich erstaunt. Es gibt viel zu sehen, der Film Metropolis wird besonders betont, ebenso beispielsweise die Schauspielerin Marlene Dietrich. Einer meiner Aha-Momente hat mich allerdings selbst erstaunt. Es werden Originalkostüme von Marlene Dietrich dargestellt, unter anderem ein knallroter Mantel. Im selben Raum laufen kurze Filmausschnitte, die sie in den jeweiligen Kostümen zeigen, allerdings in schwarz-weiß. Ich WEIß, dass die Welt früher nicht schwarz-weiß war, aber als ich den Mantel neben der Aufnahme des Mantels gesehen habe, ist mir klar geworden, wie wenig ich mir die Farben einer Welt vorstellen kann, die mir dann in schwarz-weiß auf dem Monitor gezeigt wird.
Nach gut 90 min, in denen wir viel über die Geschichte des Films gelernt hatten, aber noch nicht am Ende der Ausstellung angekommen waren, hat sich unser Museumsführer von uns verabschiedet. Die letzten Räume habe ich eher durchstreift, obwohl sie auch noch viel viel Spannendes enthalten haben. Aber meine Aufnahmekapazität war gesättigt.
Alles in allem gibt es viel zu sehen und ich werde auf jeden Fall gerne noch einmal das Museum für Film und Fernsehen besuchen. Zumal ich die Sonderausstellung gänzlich übersprungen habe.

Buch-Review: Sprech-Stunden

Sprech-Stunden : Erzählte PsychotherapieSprech-Stunden : Erzählte Psychotherapie von Gertraud Evers
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen

Eigentlich lese ich nur äußerst ungern Sachbücher, sie erzälen mir zu wenig Geschichten und ich merke mir Fakten nur halb so gut, wenn sie nicht in einer schönen Geschichte verpackt sind. Das war hier anders. Ich habe vor einiger Zeit bereits ein Buch einer amerikanischen Autorin gelesen – Die Männer auf meiner Couch: Wahre Fälle einer New Yorker Sextherapeuthin– indem die Autorin verschiedene Fälle ihrer Patienten erzählt. Ob die einzelnen Personen tatsächlich so existiert haben oder Mischungen sind, von verschiedenen Menschen, denen sie begenet ist, war mir nicht so wichtig, aber ich wollte gerne mehr darüber lesen, was Menschen bewegt, die sich für eine Psychotherapie entscheiden, was dort passiert und was Ergebnisse sein könnten. Und ich wollte kein Buch, das mir verschiedene Therapieansätze erläutert oder die Geschichte nacahverfolgt, ich wollte Beispiele, die länger als der Infokasten auf Seite 73 sind. Und dazu war dieses Buch wunderbar geeignet. Es zeichnet den Therapieverlauf von vier sehr unterschiedlichen Personen mit sehr unterschiedlichen Problemen nach – eine Frau mit Panikattaken, deren Themen Aufmerksamkeit, Beziehungen zu Männern und zu Zeit sind, ein Mann mit Depressionen, der sich mit seiner hellen und seiner dunklen Seite und mit Empathie auseinandersetzt, eine Frau, die das Thema sexueller Missbrauch aufarbeitet und ein Mann, der unter Prüfungsstress leidet und die Beziehung zu seinen Eltern und zu den eigenen Ansprüchen durchgeht.
Dazu immer wieder der Blick der Psychologin, ihre Einschätzungen, ihre Gedanken, Dinge die ihr auffallen und auch Dinge, die sie im Nachhinein anders gemacht hätte. Die Fälle sind thematisch aufgebaut, das heißt, dass zwar ein grober chronologischer Verlauf zu erkennen ist, der Schwerpunkt aber auf den verschiedenen Themen der Patienten liegt, die einzeln dargestellt werden.
Was dieses Buch nur indirekt leisten kann, ist ein Feedback der Patienten. An manchen Stellen wird es eingebaut, aber mich hat das Lesen neugierig gemacht darauf, wie eine Therapie von Patientenseite aus erlebt wird. Vielleicht finde ich dazu auch noch ein Buch.
Insgesamt auf jeden Fall ein spannendes Thema. Das Buch lässt sich gut lesen, hat eine schöne Sprache und ist verständlich geschrieben, also verzichtet auch hochtrabendes Fachchinesich. Wichtige Begriffe werden nebenbei erläutert ohne den Lesefluss zu unterbrechen. Ein guter Einstieg in das Thema, besonders für Menschen wie mich, die eher an den Geschichten hinter den Fakten interessiert sind.

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Buch-Review: Veronika beschließt zu sterben

Veronika beschließt zu sterbenVeronika beschließt zu sterben von Paulo Coelho

Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen

Vielleicht bin ich mit zu hohen oder anderen Erwartungen an dieses Buch herangegangen – es war auf jeden Fall anders als gedacht. Zum einen war es mein erstes Buch von Paulo Coelho und obwohl ich viele seiner Gedanken spannend und schön fand, war mir das Buch insgesamt zu – seicht, wobei ich nicht sicher bin, ob ich das auch gedacht hätte, wenn es nicht von Coelho gewesen wäre. Ihm ist der Ruf nach tiefgehenden Ideen und Gedanken voraus geeilt, sodass ich … mehr erwartet habe. Ein bisschen wie wenn man Graubrot isst und Vollkorn erwartet. Schon viel besser als Toast, aber eben doch nicht so wirklich befriedigend.
Die andere nicht erfüllte Erwartung ist, dass ich mir bewusst einen Autor von einem anderen Kontinent ausgesucht habe, um in einen anderen Kulturkreis einzutauchen. Und obwohl sich die beschriebene Gesellschaft in Slovenien etwas von der deutschen unterscheidet, war es mir viel zu nah an meinem Alltag. Aber diese Haltung hatte eher etwas mit meinem Vorhaben zu tun als dass ich dem Buch oder dem Autor einen Vorwurf machen könnte.
Insgesamt war es auf jeden Fall nicht schlecht.
Veronika, eine junge Frau aus Slowenien, beschließt sich umzubringen. Leider (oder zum Glück) wird sie entdeckt und in eine geschlossens Klinik eingeliefert. Dort wird ihr mitgeteilt, dass sie aufgrund eines Herzfehlers nur noch ein paar Tage zu leben hat. Im Umgang mit den anderen Patienten merkt sie, dass sie doch noch nicht bereit ist zu sterben.
Coehlho setzt sich mit verschiedenen Themen genauer auseinander. Für mich war das stärkst von allen das „Verrückt sein“, das er von versciedenen Seiten immer wieder neu angeht, wobei der Grundtenor ist: „Verrückt ist, wen die Gesellschaft als nicht normal beschreibt. Anders als die Wertung die dabei mitschwingt sollte man sich darüber klar werden, dass anders sein nichts schlechtes bedeutet“
Es geht aber auch um Bezeihungen, Liebe, Politik, Lebensentwürfe, Religion, Wandel, Freiheit, Perspektive, Erfolg und vieles mehr. Ich hatte aber beim Lesen oft das Gefühl, all diese Themen nur an der Oberfläche zu streifen anstatt tief in sie einzutauchen. Ich hätte sie gerne mit Veronika zusammen noch mehr erlebt. Vielleicht liegt es ein bisschen an der Erzählweise, die den Blick seltsam außen auf den Dingen belässt anstatt von innen heraus zu blicken.
Während des Lesens habe ich mich gefragt, welches Ende sich für mich befriedigender anfühlen würde, wenn Veronika doch nicht sterben müsste oder wenn sie, nachdem sie viele Dinge über das Leben in kuzer Zeit gelernt hat, trotzdem nicht überlebt. Und auch das Ende war in Ordnung, aber ich hätte mir – mehr gewünscht.
Alles in allem ein nettes Buch, zu dem ich aber in nächster Zeit nicht so schnell zurück kommen werde.

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Das Museum für Kommunikation

Briefkästen im Museum für Kommunikation.

Briefkästen im Museum für Kommunikation.

Ich habe mir vorgenommen, mehr Museen zu besuchen und deshalb war ich im Museum für Kommunikation. Mein erster Eindruck war, das es sich um ein wunderschönes Gebäude handelt, offen, gut restauriert, gut in Szene gesetzt. Allerdings war es auch sehr laut. Ich bin nicht jemand, den es stört, wenn zu hören ist, dass ein Ort belebt ist und der findet, dass (vor allem Kinder) nicht reden sollten, wenn sie ein Museum oder eine Bibliothek besuchen, aber die Offenheit des Gebäudes und die Ausstattung haben es sehr … hallig gemacht, sodass man über mehrere Ebenen hinweg mitbekommen hat, wenn irgendwo geredet wurde – das war nicht ganz optimal.

Weil ich Museen immer spannender finde, wenn mir jemand erklärt worum es geht, habe ich an einer Führung teilgenommen – und das war auch sehr gut so. Ich hätte vor meinem Besuch kurz nachdenken oder mich informieren sollen, denn aus irgendeinem Grund hatte ich erwartet, dass es sich (auch) um zwischenmenschliche Kommunikation handelt, die in diesem Museum behandelt wird. Wenn ich mir klar gemacht hätte, dass es das alte Postmuseum ist, dann wäre mir vielleiht eher bewusst geworden, dass es sich mehr um die technische Seite von Kommunikation handelt, die sich ja auch viel leichter greifen und zeigen lässt. Und so ging es zu einem Rundgang durch die Dauerausstellung. Nicht, dass ich das nicht spannend gefunden hätte – Postrouten, Telegramme, Telefone, die Erfindung des Internets – das alles ist schon mit einem gewissen Reiz verbunden und ich bin nach der Führung noch einmal zurück gegangen und habe mir verschiedene Dinge noch einmal genauer angesehen. Aber mir hat dann doch in diesem Museum der Bezug zu meinem eigenen Leben ein bisschen gefehlt, das story telling in der Ausstellung, das auch unser Begleiter nur bedingt auffangen konnte. Insgesamt ein schönes Museum, aber recht traditionell in der Aufbereitung. Und mir hat die Einbindung des Lebens von Frauen gefehlt – nicht eine Ecke, in der Frauen behandelt werden (und damit als „anders als die Norm“ behandelt würden), sondern neben all den männlich konnotierten Reiterboten, Geschäftsleuten, die sich Telegramme für 10 000 Mark leisten konnten und dem Fleischermeister, der leider die Beispieltelefonnummer, die auf den alten Apparaten abgedruckt war bekommen hat, hat mir der Einfluss, den die Kommunikation auf das Leben von Frauen hatte gefehlt.
Besonders gefallen haben mir die Zitate, die oben auf den Schaukästen standen, die Wand voller verschiedener Briefkästen, die auseinander gebaute Postkutsche und dass viele Texte auch auf Englisch dargestellt waren. Ein Museum, das ich bestimmt noch einmal besuchen werde, wenn ich selber (interessierte) Gäste habe, aber bei dem auch gerne noch ein paar Änderungen vorgenommen werden könnten.

Buch Review: The Cloud Pavilion

The Cloud PavilionThe Cloud Pavillion von Laura Joh Rowland
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen

Dieses Buch habe ich in meinem Bücherregal gefunden und ich weiß wirklich nicht mehr wie es dorthin gekommen ist. Erst beim Lesen wurde mir klar, dass es Teil einer Reihe ist. Allerdings hat das mein Lesevergnügen nicht getrübt. Ich hatte den Eindruck, dass ich für das Geschehen in diesem Buch alle wichtigen Informationen und Eindrücke bekommen habe, es gab aber auch immer wieder Rückgriffe auf frühere Ereignisse, die ich, wenn ich die Serie von Anfang an verfolgt hätte, wahrscheinlich noch besser hätte einordnen können.
Dieser Krimi spielt im Japan zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Hauptperson ist der Samurai Detektiv Sano, dessen Aufmerksamkeit auf den Fall von mehreren entführten und vergewaltigten Frauen gelenkt wird. Eine davon ist seine (ihm bis dahin eigentlich unbekannte) Cousine Reiko. Die Frauen tauchen zwar alle nach wenigen Tagen wieder auf, aber Sano macht es sich zur Aufgabe, ihre Schänder zu finden und zu bestrafen. Das ist gar nicht so einfach, vor allen Dingen, weil Sanos Rivale Yanagisawa sich verdächtig ruhig verhält und bestimmt irgendetwas im Schilde führt.
Insgesamt hat es Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und in ein vergangenes Japan einzutauchen, in dem Gebräuche, Umgangsformen und Machtgefüge so anders und ein bisschen verwirrend, aber auf jeden Fall spannend sind. An ein paar Stellen hat mich die Geschichte aber auch irritiert. Die Nebenhandlung, die in der ersten Hälfte immer wieder auftaucht, verschwindet in der zweiten und wird am Ende nur noch sehr stiefmütterlich zu einem abrupten Ende gebracht. Die Ermittlungsmethoden belaufen sich (gefühlt) manchmal darauf, die Verdächtigen zu besuchen, zu beschuldigen und dann, weil diese ihre Tat natürlich abstreiten, ohne weitere Fragen wieder zu gehen. Und die leicht übersinnlichen Kräfte eines in die Ermittlungen eingebundenen Freundes fallen praktischerweise immer dann aus, wenn sie nützlich sein könnten.
Dennoch alles in allem ein nettes „zwischendurch Buch“, dass neben einem Einblick in die Geschichte für mich vor allem Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern aufgezeigt hat. Sollte mir ein anderer Teil der Serie über den Weg laufen bin ich nicht abgeneigt ihn zu lesen, aktiv suchen werde ich ihn aber nicht.

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Buch-Review: In 80 Tagen um die Erde

Reise Um Die Erde In Achtzig Tagengekürzte LesungReise Um Die Erde In Achtzig Tagengekürzte Lesung von Jules Verne
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternen

Irgendwann vor ein paar Jahren habe ich von Jules Verne schon einmal ein Buch gelesen – Von der Erde zum Mond. Deshalb hatte ich eine Vorstellung von seinem Stil. Von der Erde zum Mond hat mir nicht besonders gefallen und Anlass zum Lesen (oder in meinem Fall hören) dieses Buches war eine Sonderausstellung im Museum für Kommunikation, die ich mir angesehen und die dieses Buch zum Thema hatte.
Ich habe mich (mal wieder) für das Hörbuch entschieden. Die Version meiner Bibliothek war gekürzt – ich bin mir nicht sicher, wie viel ich bei der Lesung von 7 Stunden alles verpasst habe. Die Kürzungen waren allerdings gut, sodass ich nicht das Gefühl hatte, wichtige Teile der Hanlung werden angedeutet, aber nicht erzählt. Und Rufus Beck als Sprecher ist natürlich einfach brilliant.
Es geht um den englischen Gentleman Phileas Fogg, der sich auf eine Wette einlässt. In nur 80 Tagen will er die Welt umrunden. Und das war Ende des 19. Jahrhunderts noch eine echte Herausforderung. Die Reise wird vor allem per Bahn und Schiff unternommen, aber unterwegs gibt es natürlich Herausforderungen, sodass auch per Elefant oder Segelschlitten gereist wird. Mit dabei ist sein Diener Passepartout und die beiden lernen auf ihrer Reise viele verschiedene Gestalten kennen.
Insgesamt war dieses Buch zwar spannend, aber ich habe mich an dem (damals noch um einiges gesellschaftsfähigeren) Rassismus und Sexismus gestört. Auch bei der Darstellung von Phileas Fogg war ich mir nicht sicher, ob er als beherrschter Einelgänger positiv oder negativ gezeichnet werden sollte. Für mich war seine Person überheblich und gefühllos und damit unsympatisch, aber ich habe die Vermutung, dass dies zwar gewollte, aber eigentlich positiv gesetzte Eigenschaften waren.
Dies ist eines der Bücher, die meiner Meinung nach inzwischen so überholt sind, dass sie nicht mehr in den Kanon der lesenswerten Klassiker gehören und zwar nicht aufgrund der Geschichte, die durchaus unterhaltsam war, sondern aufgrund des darin verbreiteten Menschenbildes. Vor allen Dingen Kinder (auch wenn man mit ihnen über die unterschiedlichen Sichtweisen der Gesellschaft damals und heute spricht) sollten Bücher mit einer positiveren Botschaft lesen.

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