Dear July // 5

The Custom House, Dublin, Ireland
Creative Commons Lizenzvertrag Foto von _Hadock_ Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Dear July,

heute habe ich eine Postkarte aus der Ukraine bekommen. Ich liebe es, Post zu bekommen, das habe ich glaube ich schon mal erwähnt, oder? Manchmal kommt der Briefträger sogar bis zu meiner Tür, meistens wenn ein Päckchen dabei ist oder ein sehr großer Umschlag, der nicht in den Briefkasten passt. Dann überreicht er mir das ganze meist mit den Worten: „Hier, mal wieder Ihre Fan-Post“. Ich glaube er hat keine Zeit dazu, die Karten zu lesen (sollte er ja auch besser nicht), um festzustellen, dass ich mitnichten „Fan-Post“ bekomme, aber ich freue mich jedenfalls, denn er ist sehr nett. Auf jeden Fall stand auf der Karte aus der Ukraine heute etwas sehr zauberhaftes – ich paraphrasiere mal: „Ich bin taub und kann daher keine Musik hören, aber ich kann eingefrorene Musik mit Architektur schaffen, ich bin nämlich auch Architekt!“ – Heute auf meinem Weg zu dem Gebäude ohne Fenster musste ich die ganze Zeit darüber nachdenken, was für ein wundervolles Bild das ist: Gebäude als eingefrorene Musik. Musik ist auf unerklärliche Weise so sehr mit dem verbunden, was ich Seele nennen würde. Musik ist in der Lage Stimmung zu schaffen und zu verändern, Filme ohne Musik sind kaum vorstellbar und ein Leben ohne Musik erst Recht nicht. Und mir vorzustellen, dass ich ohne Musik leben müsste ist ganz unheimlich.

Ich bin keine Architektin, ich kann keine Gebäude entwerfen, ich gucke sie mir manchmal ganz gerne an, aber mir fehlt ein bisschen das Verstehen oder das Auge für Architektur. Das ist völlig in Ordnung – ich habe gar nicht den Anspruch an mich selber, alles zu können, zu verstehen, mit allem vertraut zu sein. Aber ich musste darüber nachdenken, was wohl meine „gefrorene Musik“ wäre, wenn ich sie ersetzen müsste. Ich glaube, ich würde mich noch mehr, noch intensiver der Sprache zuwenden und versuchen, die Schönheit der Sprache noch mehr herauszuarbeiten, mit der Sprache die Musik nachzubilden so gut es geht. Und ich finde, ich kann damit auch jetzt schon anfangen. Wenigstens ein kleines bisschen.

Und in den nächsten Tagen werde ich mit besonders weit offenen Augen durch die Welt laufen und versuchen, die Musik in den Gebäuden zu entdecken. Wie gut, dass es so lange hell ist, wenn du da bist, Juli, dann macht es besondes Spaß!

Lu

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s