Dear July // 10

Frauen 100 m Lauf Ziellinie
Creative Commons Lizenzvertrag  Foto von PixelPlacebo. Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Dear July,

ab und zu spühlt ein neuer Monat neue Ideen in meinen Kopf, neue Interessen und neue Dinge, die mir wichtig sind. Und du hast mir den Feminismus gebracht. Ich stehe noch ganz am Anfang von all den Dingen, die ich interessant finde und die ich gerne genauer kennenlernen würde. Ich stehe noch ganz am Anfang mit meiner eigenen Meinung, was mir besonders wichtig ist und was ich von all dem halte. Aber ich merke, dass es mir schwer fällt, mich als Feministin zu identifizieren. Ich bin mir nicht sicher, in welchem Zusammenhang das Wort für mich einen negativen Beigeschmack erworben hat. Und ich muss mir immer wieder klar machen, dass ich nicht „gegen Männer“, sondern „für Chancengleichheit“ bin, nicht die Taten der einen verdamme und der anderen grundsätzlich bevorzuge, nicht „Rache nehmen“ möchte, an den Jahrtausende alten Formen des Patricharchismus, sondern „nur“ finde, dass Männern und Frauen die gleichen Chancen gegeben werden sollten. Und dass dies immer noch nicht (überall) der Fall ist, so sehr ich das auch glauben möchte. Dass Frauen immer noch im Schnitt für diegleiche schlechter bezahlt werden, dass Frauen immer noch zu selten in Führungspositionen vertreten sind, dass Frauen immer noch Sexismus ausgesetzt sind, wenn auch in einem viel subtileren Maße als noch vor einigen Jahren. Ich bin mir nicht sicher, wieso Feminismus bei mir all diese Beispiele hervorruft, gegen die ich mich aktiv in meinem Kopf wehren muss. Und es überrascht mich und beunruhigt mich ein bisschen, weil es mir zeigt, dass Chancengleichheit für Frauen noch lange nicht in allen Köpfen akzeptiert ist, dass es Menschen gibt, die den Feminismus so bedrohlich finden, dass die Menschen, die sich dafür engagieren (meistens Frauen), wenn möglich klein geredet und abgestempelt werden. Natürlich gibt es wie in allen anderen Bewegungen auch Menschen, die sich in verschiedenem Umfang und mit verschiedenen Mitteln einsetzen und gerade im Feminismus habe ich das Gefühl, dass jede Generation für sich neu die Probleme definiert und die Grenzen absteckt, aber gerade hier ist die Grundidee eigentlich noch „radikal“ genug, dass darüber diskutiert werden könnte und nicht die Randgruppen „verdammt“ werden müssen. (Ein schöner TED Talk ist übrigens HIER und HIER zu finden)

Am meisten fasziniert mich zur Zeit Feminismus in der Filmindustrie. Wenn ich lese, dass nur 5 % der 2000 erfolgreichsten Filme der letzten 20 Jahre Frauen als Regisseurinnen hatten (mehr Zahlen dazu sind zum Beispiel hier zu finden), dann macht mich das traurig, weil ich merke, wie selten Frauen Geschichten auf ihre Art in den Mainstream Medien erzählen können. Dieses eine Beispiel ist vielleicht eines der am wenigsten bedeutsamen, aber das hast du mir heute zugetragen, Juli. Und ich weiß, ich werde noch mehr lernen. Ich werde lernen, was ich tun kann, um mich wohlzufühlen, mich als Feministin zu bezeichnen, ich werde lernen, was ich tun kann, um die Chancenungleichheit zwischen Männern und Frauen ein bisschen zu ändern und ich werde mehr lesen, gucken und mit Leuten reden, damit ich meinen nächsten Blogpost schreiben und mich sicherer dabei fühlen kann.

Lu

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s