Dear July // 13

Mangosteen
Creative Commons Lizenzvertrag Foto von mttsndrs Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht kommerziell 4.0 International Lizenz.

Dear July,

soald man irgendwo wohnt verlieren Museen und Sehenswürdigkeiten auf seltsame Weise ihren Reiz. Es ist nicht so, dass ich mich weniger für sie interessiere, aber ich mache so viel weniger von diesen Dingen in meiner eigenen Stadt. Und ich bin immer dankbar über Besuch, weil der mir die Möglichkeit gibt, mich in meiner Stadt selber wie ein Tourist zu verhalten. Deshalb habe ich am Wochenende einen Sightseeing Tag gemacht. Ich habe mir zwei Freundinnen geschnappt und wir haben uns ein paar von den Dingen angeguckt, die wir schon immer mal sehen wollten und ein paar von den Dingen gemacht, die wir schon immer mal machen wollten.

Wir hatten Spaß und ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Gesichter so eine Stadt hat. Steigt man in einen Bus und fährt wenige Stationen zeigt die Stadt mir ein neues Gesicht – mal freundlicher, mal aufregender, mal abstoßender, mal lebendiger, mal kommerzieller, mal lieblicher. Und trotzdem hat jede Stadt ihr eigenes Gefühl, ihren speziellen Geschmack und Geruch und ich bin froh, dass ich mich hier so wohl fühle.

Ich habe allerdings auch etwas gelernt, was mich sehr erstaunt hat und das hatte weniger mit der Stadt zu tun als mit mir selber. Wir sind kurz in ein Kaufhaus gegangen, weil…wie auch immer, auf jeden Fall habe ich mich in der Lebensmittelabteilung vergnügt und bin zwischen den Obst umhergewandert. Und obwohl wir in einer solch multikulturellen Welt leben musste ich feststellen, dass ich eine ganze Menge Obst nicht kannte. Ich habe also ein bisschen eingekauft: Kumquat und Tamarillo und (weil ich sie noch nie bewusst frisch gegessen hatte) Feige und Mangosteen. Ich fand den Gedanken, neue Früchte zu probieren sehr spannend.

Als wir dann im Bus saßen und uns die Welt weiter aus dem Trockenen angeguckt haben und ich die Tüte mit meinen Errungenschaften geöffnet habe, wurde ich schon skeptischer. Wie isst man all diese Früchte eigentlich? Bei manchen wusste ich es und die habe ich mit Freude gegessen, bei anderen wussten es meine Freundinnen und das war besonders spannend, aber es blieb auch noch Obst übrig, bei dem wir alle nicht wussten, wie man es isst und ich war erstaunt, wie wenig aufgeschlossen ich diesem Obst gegenüber war. Man sagt: Was der Bauer nicht kennt isst er nicht – und ich habe immer gedacht, dass ich neuem offen gegenüberstehe, tollerant bin, gerne neues ausprobiere, aber ich hatte plötzlich eine starke Abneigung gegen dieses fremde Obst. Es hat komisch geschmeckt. Ich habe es schnell weitergegeben.

Ich glaube, das ist okay, aber ich sollte es mir merken – für Situationen, wo es sich nicht um fremdes Obst dreht, sondern um fremde Menschen, fremde Einstellungen, fremde Gewohnheiten und fremde Arten, wie Dinge erledigt werden. Denn da ist es besonders wichtig, offen zu sein. Ich sollte mich an das exotische Obst erinnern und daran, wie gerne ich es probiert habe, als ich wusste wie und fragen: Wieso … machst du das so? … denkst du so? … handelst du so? Ich hoffe, dass ich das jetzt auch schon mache, aber es schadet nie, mich daran zu erinnern.

Lu

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