Das Jüdische Museum

Vor kurzem habe ich das Jüdische Museum in Berlin besucht. Grund meines Besuches war dabei die Ausstellung „Haut ab!“, bei der es um die Beschneidung von Menschen mit einem Penis aus religiösen Gründen geht. Ich war sehr froh, an einer Führung durch die Ausstellungsräume teilgenommen zu haben. Auch wenn ich das nicht gerne zugebe, empfinde ich Museen häufig als nicht besonders spannend, aber das ändert sich, wenn mich jemand hindurchführt, auf Besonderheiten hinweist und Hintergründe erklärt.
Es begann schon mit dem Namen. „Haut ab!“ bezieht sich zum einen auf die Haut, die dem Penis entfernt wird, aber auch auf den Antisemitismus und der Islamfeindlichkeit, der den Angehörigen dieser beiden Glaubensgruppen bei diesem Thema entgegenschlägt und kann gleichzeitig als Aussage von diesen gewertet werden, die sie allen anderen entgegenschleudern – haut ab, lasst uns doch in Ruhe unseren Ritualen nachgehen.
Ich glaube insbesondere auf die architektonischen Besonderheiten wäre ich alleine nicht aufmerksam geworden. Die Ausstellung beginnt mit verschiedenen Skulptren von nackten Männern, die auf einer grauen Fläche stehen – „auf Messers Schneide“. Auch, dass die drei Räume, in denen die meisten Ausstellungsstücke dargeboten werden und von denen sich jeweils einer mit dem Thema Beschneidung aus jüdischer, muslimischer und christlicher Sicht beschäftigt, so aneinander liegen, dass sie durch einen runden Tisch miteinander verbunden sind, wäre mir alleine nicht aufgefallen. Andererseits wusste ich bereits, was mich allerdings immer wieder erstaunt, dass in den USA 50-80% aller Penisse beschnitten sind und es stellt sich dabei unweigerlich die Frage, wieso dies in der einen hauptsächlich christlich geprägten Gemeinschaft entsteht, wohingegen es in Deutschland relativ unüblich ist, wenn es keine zwingenden medizinischen Gründe gibt.
Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Raum mit mehreren Stunden Videomaterial. Neben der gesamten Debatte des Bundestages zu dem Thema werden auch Dokumentationen oder Folgen von Serien gezeigt, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, Ausschnitte aus Talkshows, Diskussionen von Eltern, …
Insgesamt hat mir diese Ausstellung gezeigt, was ich so leicht vergesse, nämlich wie tief bestimmte Rituale in verschiedenen Kulturen verwurzelt sind. Ich bin nicht direkt von dem Thema Beschneidung betroffen und kann nur aus einer außenstehenden Perspektive sagen, dass ich im Anschluss an den Besuch in dieser Ausstellung von zwei Dingen überzeugt war: zum einen ist mir die Beschneidung noch ein bisschen suspekter geworden, zum anderen ist mir aber auch klar geworden, dass ich meiner Meinung nach keiner Religionsgemeinschaft einfach ihre Riten absprechen kann und das gilt nicht nur für Dinge, die ich gut nachvollziehen kann, mit denen ich mich wohl fühle, sondern eben auch für solche, mit denen ich weniger viel anfangen kann. Eigentlich ist mir das klar, aber es gibt verschiedene Stufen von verstehen, finde ich. Ich bin bei diesem Thema ausschließlich in der Rolle der Fragenden. Einen (sehr) kleinen Einblick habe ich bekommen und bin froh darüber. Ob es sich weiter entwickelt, ob ich mich weiter mit diesem Thema beschäftige weiß ich noch nicht. Die Ausstellung hat mir auf jeden Fall gut gefallen und etwas wie … ein Bedürfnis nach Bedeutung erfüllt. Ich glaube das ist es, was mich häufig an Museen stört, viele Ausstellungsgegenstände sind mir zu unpersönlich, ich entwickele keine Beziehung zu ihnen, wie klein sie auch sein mag, aber bei meinem Besuch im Jüdischen Museum war das ein bisschen anders. Ich möchte in diesem Jahr gerne mehr Museen besuchen, mal sehen was ich noch alles so erlebe. Die Sonderausstellung „Haut ab!“ ist noch bin zum 1. März 2015 im Jüdischen Museum zu erleben.

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