Magicum – Berlin Magic Museum

Ich hatte Besuch und wir haben beschlossen, das Magicum in Berlin zu besuchen. Es war – anders als gedacht, aber trotzdem nett. Aufgrund des Namens hatte ich ein Museum erwartet, dass sich mit Zaubertricks beschäftigt, ein bisschen wie der Film „Now you can see me“ oder das Buch „Der faule Henker“, aber dem war nicht so. Es ging um Magie und Übersinnliches, Rätsel, Zukunft, Weltsichten. Begrüßt wurden wir mit dem Ziehen von zwei Karten, die, anders als Tarot, das sich auf die Zukunft bezieht, auf unsere Gegenwart gerichtet waren. Dabei gab es zum einen ein Krafttier und zum anderen eine indische Gottheit, deren Bedeutungen in einem Buch gleich nachgelesen werden konnten. Außerdem wurde uns gezeigt, wie chinesische Klangschalen funktionieren, da es in der Ausstellung auch eine gab, die benutzt werden konnte.
Die Ausstellung befindet sich im Kellergeschoss. Das Gebäude passt gut zu dem Thema. Begonnen wird mit Ausstellungsstücken zu Alchemie und Astrologie, es geht über zu Weltreligionen und später Hexenverfolgung und endet in einem Raum, in dem neben Indormationen zu Aberglauben und Märchen Rätsel gelöst, Pendel und die Kangschale benutzt und Geburtszahlen ausgerechnet werden können. Dadurch, dass die meisten Informationen auf Papierblättern zur Verfügung stehen, hatte ich erst den Eindruck von geringerer Professionalität, aber fand später, dass es eher eine besondere Aufmerksamkeit ausdrückt und den Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, Änderungen sehr einfach umzusetzen. Außerdem sind alle Informationen auf Deutsch und Englisch vorhanden.
Auf dem Rückweg war ich überrascht, denn die Ausstellung war mir auf dem Hinweg weitaus größer vorgekommen. Wieder am Eingang angekommen hatten wir noch die Möglichkeit, Geschicklichkeitsspiele zu lösen und zu puzzeln.
Die Stimmung im Museum ist sehr familiär, alle Angestellten sind freundlich und sehr hilfs- und auskunftsbereit. Der Besuch hat sich definitiv gelohnt.

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Buch-Review: Die Landkarte der Zeit

Die Landkarte der ZeitDie Landkarte der Zeit von Félix J. Palma
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen

Eigentlich wusste ich gar nicht so genau, was ich ausleihen wollte, als ich das letzte Mal die Bücherei besucht habe. Als ich an den Hörbüchern vorbeigeschlendert bin, ist mir dieses ins Auge gesprungen. Ich hatte vorher noch nie etwas von dieser Reihe gehört, aber es einfach mal auf gut Glück mitgenommen. (Der dämonische Bibliothekar auf dem Klappentext hat den Ausschlag gegeben. Zum Glück habe ich das sofort wieder vergessen, denn – was ich kurz an dieser Stelle sagen muss – der Klappentext bei diesem Buch ist wirklich nicht gut, er weckt falsche Erwartungen, gibt kein gutes Gefühl für das Buch. Mir hat es zum Glück trotzdem wirklich gut gefallen).
Andreas Fröhlich liest hier großartig. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass ich die ganze Zeit and die drei ??? würde denken müssen, aber dem war überhaupt nicht so.
Das Buch behandelt drei Geschichten, die sehr lose miteinander verbunden sind, sich aber alle um die neue Attraktion in London Ende des 19. Jahrhunderts ranken – eine Zeitreisemaschine, die es den (zahlungsfähigen) Neugierigen erlaubt, eine Reise in das Jahr 2000 zu unternehmen, wo sie den dramatischen Kampf zwischen den Menschen und des Maschinenmenschen hautnah miterleben können. Dies ist allerdings nur der Ausgangspunkt für die Erlebnisse der drei Hauptpersonen in diesem Buch. Andrew hat den Lebenswillen verloren nachdem seine Geliebte grausam ermordet wurde, Claire sehnt sich danach, den Schranken zu entfliehen, die die Gesellschaft des viktorianischen Londons ihr auferlegt und würde am liebsten in die Zukunft reisen und dort bleiben und Inspektor Garret kann sich die Todesursachen einer Leiche nur mit den Waffen aus der Zukunft erklären.
Das Buch springt spannenderweise zwischen erklärbaren und unerklärbaren Phänomenen leicht hin und her, bindet reale Ereignisse, Personen und Modeerscheinungen mit ein, sodass ich dazu animiert wurde, noch mal nachzugucken: Wie war die Geschichte von Jack the Ripper noch mal genau? Was hat Jules Verne alles geschrieben? Von wem war noch mal Dracula? Und wann ging die erste Frauenbewegung genau los (die übrigens für meinen Geschmack gerne mehr hätte thematisiert werden können).
Felix Palma gelingt es, Wirklichkeit und Fiktion einzigartig miteinander zu verweben. Die Sprache ist angenehm zu lesen, die Dialoge gut geschrieben, manchmal zum Lachen, manchmal zum Nachdenken. Und natürlich wird das Thema Zeitreisen von allen Seiten beleuchtet, Theorien aufgestellt, Möglichkeiten ausgesponnen, umgesetzt oder verworfen.
Ich freue mich schon auf den zweiten und dritten Teil dieser Serie.

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Buch-Review: Miss Julias School of Beauty

Miss Julia's School of BeautyMiss Julia’s School of Beauty von Ann B. Ross
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternen

Mein Vorhaben, geografisch vielfältiger zu lesen als ich das sonst tue, hat mich zu diesem Hörbuch geführt, das in den Südstaaten spielt, genauer gesagt in Abbotsville, North Carolina. Dass es sich hierbei (mal wieder) um den Teil einer Reihe handelt, war mir nicht klar, aber okay, es gab viele Rückbeziehungen, sodass ich mich auch ganz gut zurecht gefunden habe, ohne die vorherigen Teile gelesen zu haben.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht Miss Julia. Sie ist nicht mehr die jüngste und eine typische Südstaatenlady, die sehr viel Wert auf ihre gesellschaftliche Stellung legt. Kurz vor Beginn dieser Geschichte hat die Sam in einer Nacht und Nebel Aktion geheiratet. Sie war vorher längere Zeit verwitwet und muss sich zunächst wieder an ein Eheleben gewöhnen. Aber es treten unerwartete Komplikationen auf, als sie und Sam erfahren, dass der Priester, der sie verheiratet hat, dazu eventuell gar nicht berechtigt war, sodass ihr Status als verheiratets Paar auf einmal nicht mehr sicher ist. Neben dieser vertrackten Situation, von der natürlich niemand erfahren darf, aber die in Julia auch Zweifel wecken, ob die Hochzeit die richtige Entscheidung war, hat sie außerdem alle Hände voll damit zu tun, bei der Ausrichtung eines Beauty Pagent Events zu helfen, das Spenden für die Polizeiarbeit bringen soll und gleichzeitig ihre beste Freundin davon abzuhalten, eine Feier zu Ehren ihrer Hochzeit zu organisieren.
Die Sprecherin des Hörbuchs hat mir ziemlich gut gefallen, der typische Südstaatendialekt war wunderbar getroffen, aber nicht so doll, dass ich Schwierigkeiten dabei hatte, sie zu verstehen. Die Geschichte an sich war in Ordnung und hat mich an einigen Stellen zum Lachen gebracht, sich aber an anderen ziemlich in die Länge gezogen. Vor allen Dingen kam mir das Hauptproblem – der unsichere Ehestatus – sehr lächerlich vor. Dass es für Julia so ein großes Problem war, zu entscheiden was zu tun sei, anstelle von einem kurzen klärenden Gespräch mit einem ordinierten Pfarrer zu führen hat mir gezeigt, wie sehr sich Kultur und die Moral sich sowohl mit dem Generationswechsel verschoben haben als auch in den Südstaaten besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Ich würde gerne noch einen halben Stern vergeben, bleibe aber bei „It was okay“ anstelle von „I liked it“. Die Miss Julia Reihe werde ich wohl nicht mehr weiterverfolgen, aber bedauert habe ich meinen kurzen Ausflug in Julias Welt nicht.

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