Buch-Review: Die Landkarte der Zeit

Die Landkarte der ZeitDie Landkarte der Zeit von Félix J. Palma
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen

Eigentlich wusste ich gar nicht so genau, was ich ausleihen wollte, als ich das letzte Mal die Bücherei besucht habe. Als ich an den Hörbüchern vorbeigeschlendert bin, ist mir dieses ins Auge gesprungen. Ich hatte vorher noch nie etwas von dieser Reihe gehört, aber es einfach mal auf gut Glück mitgenommen. (Der dämonische Bibliothekar auf dem Klappentext hat den Ausschlag gegeben. Zum Glück habe ich das sofort wieder vergessen, denn – was ich kurz an dieser Stelle sagen muss – der Klappentext bei diesem Buch ist wirklich nicht gut, er weckt falsche Erwartungen, gibt kein gutes Gefühl für das Buch. Mir hat es zum Glück trotzdem wirklich gut gefallen).
Andreas Fröhlich liest hier großartig. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass ich die ganze Zeit and die drei ??? würde denken müssen, aber dem war überhaupt nicht so.
Das Buch behandelt drei Geschichten, die sehr lose miteinander verbunden sind, sich aber alle um die neue Attraktion in London Ende des 19. Jahrhunderts ranken – eine Zeitreisemaschine, die es den (zahlungsfähigen) Neugierigen erlaubt, eine Reise in das Jahr 2000 zu unternehmen, wo sie den dramatischen Kampf zwischen den Menschen und des Maschinenmenschen hautnah miterleben können. Dies ist allerdings nur der Ausgangspunkt für die Erlebnisse der drei Hauptpersonen in diesem Buch. Andrew hat den Lebenswillen verloren nachdem seine Geliebte grausam ermordet wurde, Claire sehnt sich danach, den Schranken zu entfliehen, die die Gesellschaft des viktorianischen Londons ihr auferlegt und würde am liebsten in die Zukunft reisen und dort bleiben und Inspektor Garret kann sich die Todesursachen einer Leiche nur mit den Waffen aus der Zukunft erklären.
Das Buch springt spannenderweise zwischen erklärbaren und unerklärbaren Phänomenen leicht hin und her, bindet reale Ereignisse, Personen und Modeerscheinungen mit ein, sodass ich dazu animiert wurde, noch mal nachzugucken: Wie war die Geschichte von Jack the Ripper noch mal genau? Was hat Jules Verne alles geschrieben? Von wem war noch mal Dracula? Und wann ging die erste Frauenbewegung genau los (die übrigens für meinen Geschmack gerne mehr hätte thematisiert werden können).
Felix Palma gelingt es, Wirklichkeit und Fiktion einzigartig miteinander zu verweben. Die Sprache ist angenehm zu lesen, die Dialoge gut geschrieben, manchmal zum Lachen, manchmal zum Nachdenken. Und natürlich wird das Thema Zeitreisen von allen Seiten beleuchtet, Theorien aufgestellt, Möglichkeiten ausgesponnen, umgesetzt oder verworfen.
Ich freue mich schon auf den zweiten und dritten Teil dieser Serie.

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Buch-Review: Miss Julias School of Beauty

Miss Julia's School of BeautyMiss Julia’s School of Beauty von Ann B. Ross
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternen

Mein Vorhaben, geografisch vielfältiger zu lesen als ich das sonst tue, hat mich zu diesem Hörbuch geführt, das in den Südstaaten spielt, genauer gesagt in Abbotsville, North Carolina. Dass es sich hierbei (mal wieder) um den Teil einer Reihe handelt, war mir nicht klar, aber okay, es gab viele Rückbeziehungen, sodass ich mich auch ganz gut zurecht gefunden habe, ohne die vorherigen Teile gelesen zu haben.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht Miss Julia. Sie ist nicht mehr die jüngste und eine typische Südstaatenlady, die sehr viel Wert auf ihre gesellschaftliche Stellung legt. Kurz vor Beginn dieser Geschichte hat die Sam in einer Nacht und Nebel Aktion geheiratet. Sie war vorher längere Zeit verwitwet und muss sich zunächst wieder an ein Eheleben gewöhnen. Aber es treten unerwartete Komplikationen auf, als sie und Sam erfahren, dass der Priester, der sie verheiratet hat, dazu eventuell gar nicht berechtigt war, sodass ihr Status als verheiratets Paar auf einmal nicht mehr sicher ist. Neben dieser vertrackten Situation, von der natürlich niemand erfahren darf, aber die in Julia auch Zweifel wecken, ob die Hochzeit die richtige Entscheidung war, hat sie außerdem alle Hände voll damit zu tun, bei der Ausrichtung eines Beauty Pagent Events zu helfen, das Spenden für die Polizeiarbeit bringen soll und gleichzeitig ihre beste Freundin davon abzuhalten, eine Feier zu Ehren ihrer Hochzeit zu organisieren.
Die Sprecherin des Hörbuchs hat mir ziemlich gut gefallen, der typische Südstaatendialekt war wunderbar getroffen, aber nicht so doll, dass ich Schwierigkeiten dabei hatte, sie zu verstehen. Die Geschichte an sich war in Ordnung und hat mich an einigen Stellen zum Lachen gebracht, sich aber an anderen ziemlich in die Länge gezogen. Vor allen Dingen kam mir das Hauptproblem – der unsichere Ehestatus – sehr lächerlich vor. Dass es für Julia so ein großes Problem war, zu entscheiden was zu tun sei, anstelle von einem kurzen klärenden Gespräch mit einem ordinierten Pfarrer zu führen hat mir gezeigt, wie sehr sich Kultur und die Moral sich sowohl mit dem Generationswechsel verschoben haben als auch in den Südstaaten besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Ich würde gerne noch einen halben Stern vergeben, bleibe aber bei „It was okay“ anstelle von „I liked it“. Die Miss Julia Reihe werde ich wohl nicht mehr weiterverfolgen, aber bedauert habe ich meinen kurzen Ausflug in Julias Welt nicht.

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Buch-Review: Sprech-Stunden

Sprech-Stunden : Erzählte PsychotherapieSprech-Stunden : Erzählte Psychotherapie von Gertraud Evers
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen

Eigentlich lese ich nur äußerst ungern Sachbücher, sie erzälen mir zu wenig Geschichten und ich merke mir Fakten nur halb so gut, wenn sie nicht in einer schönen Geschichte verpackt sind. Das war hier anders. Ich habe vor einiger Zeit bereits ein Buch einer amerikanischen Autorin gelesen – Die Männer auf meiner Couch: Wahre Fälle einer New Yorker Sextherapeuthin– indem die Autorin verschiedene Fälle ihrer Patienten erzählt. Ob die einzelnen Personen tatsächlich so existiert haben oder Mischungen sind, von verschiedenen Menschen, denen sie begenet ist, war mir nicht so wichtig, aber ich wollte gerne mehr darüber lesen, was Menschen bewegt, die sich für eine Psychotherapie entscheiden, was dort passiert und was Ergebnisse sein könnten. Und ich wollte kein Buch, das mir verschiedene Therapieansätze erläutert oder die Geschichte nacahverfolgt, ich wollte Beispiele, die länger als der Infokasten auf Seite 73 sind. Und dazu war dieses Buch wunderbar geeignet. Es zeichnet den Therapieverlauf von vier sehr unterschiedlichen Personen mit sehr unterschiedlichen Problemen nach – eine Frau mit Panikattaken, deren Themen Aufmerksamkeit, Beziehungen zu Männern und zu Zeit sind, ein Mann mit Depressionen, der sich mit seiner hellen und seiner dunklen Seite und mit Empathie auseinandersetzt, eine Frau, die das Thema sexueller Missbrauch aufarbeitet und ein Mann, der unter Prüfungsstress leidet und die Beziehung zu seinen Eltern und zu den eigenen Ansprüchen durchgeht.
Dazu immer wieder der Blick der Psychologin, ihre Einschätzungen, ihre Gedanken, Dinge die ihr auffallen und auch Dinge, die sie im Nachhinein anders gemacht hätte. Die Fälle sind thematisch aufgebaut, das heißt, dass zwar ein grober chronologischer Verlauf zu erkennen ist, der Schwerpunkt aber auf den verschiedenen Themen der Patienten liegt, die einzeln dargestellt werden.
Was dieses Buch nur indirekt leisten kann, ist ein Feedback der Patienten. An manchen Stellen wird es eingebaut, aber mich hat das Lesen neugierig gemacht darauf, wie eine Therapie von Patientenseite aus erlebt wird. Vielleicht finde ich dazu auch noch ein Buch.
Insgesamt auf jeden Fall ein spannendes Thema. Das Buch lässt sich gut lesen, hat eine schöne Sprache und ist verständlich geschrieben, also verzichtet auch hochtrabendes Fachchinesich. Wichtige Begriffe werden nebenbei erläutert ohne den Lesefluss zu unterbrechen. Ein guter Einstieg in das Thema, besonders für Menschen wie mich, die eher an den Geschichten hinter den Fakten interessiert sind.

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Buch-Review: Veronika beschließt zu sterben

Veronika beschließt zu sterbenVeronika beschließt zu sterben von Paulo Coelho

Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen

Vielleicht bin ich mit zu hohen oder anderen Erwartungen an dieses Buch herangegangen – es war auf jeden Fall anders als gedacht. Zum einen war es mein erstes Buch von Paulo Coelho und obwohl ich viele seiner Gedanken spannend und schön fand, war mir das Buch insgesamt zu – seicht, wobei ich nicht sicher bin, ob ich das auch gedacht hätte, wenn es nicht von Coelho gewesen wäre. Ihm ist der Ruf nach tiefgehenden Ideen und Gedanken voraus geeilt, sodass ich … mehr erwartet habe. Ein bisschen wie wenn man Graubrot isst und Vollkorn erwartet. Schon viel besser als Toast, aber eben doch nicht so wirklich befriedigend.
Die andere nicht erfüllte Erwartung ist, dass ich mir bewusst einen Autor von einem anderen Kontinent ausgesucht habe, um in einen anderen Kulturkreis einzutauchen. Und obwohl sich die beschriebene Gesellschaft in Slovenien etwas von der deutschen unterscheidet, war es mir viel zu nah an meinem Alltag. Aber diese Haltung hatte eher etwas mit meinem Vorhaben zu tun als dass ich dem Buch oder dem Autor einen Vorwurf machen könnte.
Insgesamt war es auf jeden Fall nicht schlecht.
Veronika, eine junge Frau aus Slowenien, beschließt sich umzubringen. Leider (oder zum Glück) wird sie entdeckt und in eine geschlossens Klinik eingeliefert. Dort wird ihr mitgeteilt, dass sie aufgrund eines Herzfehlers nur noch ein paar Tage zu leben hat. Im Umgang mit den anderen Patienten merkt sie, dass sie doch noch nicht bereit ist zu sterben.
Coehlho setzt sich mit verschiedenen Themen genauer auseinander. Für mich war das stärkst von allen das „Verrückt sein“, das er von versciedenen Seiten immer wieder neu angeht, wobei der Grundtenor ist: „Verrückt ist, wen die Gesellschaft als nicht normal beschreibt. Anders als die Wertung die dabei mitschwingt sollte man sich darüber klar werden, dass anders sein nichts schlechtes bedeutet“
Es geht aber auch um Bezeihungen, Liebe, Politik, Lebensentwürfe, Religion, Wandel, Freiheit, Perspektive, Erfolg und vieles mehr. Ich hatte aber beim Lesen oft das Gefühl, all diese Themen nur an der Oberfläche zu streifen anstatt tief in sie einzutauchen. Ich hätte sie gerne mit Veronika zusammen noch mehr erlebt. Vielleicht liegt es ein bisschen an der Erzählweise, die den Blick seltsam außen auf den Dingen belässt anstatt von innen heraus zu blicken.
Während des Lesens habe ich mich gefragt, welches Ende sich für mich befriedigender anfühlen würde, wenn Veronika doch nicht sterben müsste oder wenn sie, nachdem sie viele Dinge über das Leben in kuzer Zeit gelernt hat, trotzdem nicht überlebt. Und auch das Ende war in Ordnung, aber ich hätte mir – mehr gewünscht.
Alles in allem ein nettes Buch, zu dem ich aber in nächster Zeit nicht so schnell zurück kommen werde.

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Buch Review: The Cloud Pavilion

The Cloud PavilionThe Cloud Pavillion von Laura Joh Rowland
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen

Dieses Buch habe ich in meinem Bücherregal gefunden und ich weiß wirklich nicht mehr wie es dorthin gekommen ist. Erst beim Lesen wurde mir klar, dass es Teil einer Reihe ist. Allerdings hat das mein Lesevergnügen nicht getrübt. Ich hatte den Eindruck, dass ich für das Geschehen in diesem Buch alle wichtigen Informationen und Eindrücke bekommen habe, es gab aber auch immer wieder Rückgriffe auf frühere Ereignisse, die ich, wenn ich die Serie von Anfang an verfolgt hätte, wahrscheinlich noch besser hätte einordnen können.
Dieser Krimi spielt im Japan zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Hauptperson ist der Samurai Detektiv Sano, dessen Aufmerksamkeit auf den Fall von mehreren entführten und vergewaltigten Frauen gelenkt wird. Eine davon ist seine (ihm bis dahin eigentlich unbekannte) Cousine Reiko. Die Frauen tauchen zwar alle nach wenigen Tagen wieder auf, aber Sano macht es sich zur Aufgabe, ihre Schänder zu finden und zu bestrafen. Das ist gar nicht so einfach, vor allen Dingen, weil Sanos Rivale Yanagisawa sich verdächtig ruhig verhält und bestimmt irgendetwas im Schilde führt.
Insgesamt hat es Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und in ein vergangenes Japan einzutauchen, in dem Gebräuche, Umgangsformen und Machtgefüge so anders und ein bisschen verwirrend, aber auf jeden Fall spannend sind. An ein paar Stellen hat mich die Geschichte aber auch irritiert. Die Nebenhandlung, die in der ersten Hälfte immer wieder auftaucht, verschwindet in der zweiten und wird am Ende nur noch sehr stiefmütterlich zu einem abrupten Ende gebracht. Die Ermittlungsmethoden belaufen sich (gefühlt) manchmal darauf, die Verdächtigen zu besuchen, zu beschuldigen und dann, weil diese ihre Tat natürlich abstreiten, ohne weitere Fragen wieder zu gehen. Und die leicht übersinnlichen Kräfte eines in die Ermittlungen eingebundenen Freundes fallen praktischerweise immer dann aus, wenn sie nützlich sein könnten.
Dennoch alles in allem ein nettes „zwischendurch Buch“, dass neben einem Einblick in die Geschichte für mich vor allem Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern aufgezeigt hat. Sollte mir ein anderer Teil der Serie über den Weg laufen bin ich nicht abgeneigt ihn zu lesen, aktiv suchen werde ich ihn aber nicht.

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Buch-Review: In 80 Tagen um die Erde

Reise Um Die Erde In Achtzig Tagengekürzte LesungReise Um Die Erde In Achtzig Tagengekürzte Lesung von Jules Verne
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternen

Irgendwann vor ein paar Jahren habe ich von Jules Verne schon einmal ein Buch gelesen – Von der Erde zum Mond. Deshalb hatte ich eine Vorstellung von seinem Stil. Von der Erde zum Mond hat mir nicht besonders gefallen und Anlass zum Lesen (oder in meinem Fall hören) dieses Buches war eine Sonderausstellung im Museum für Kommunikation, die ich mir angesehen und die dieses Buch zum Thema hatte.
Ich habe mich (mal wieder) für das Hörbuch entschieden. Die Version meiner Bibliothek war gekürzt – ich bin mir nicht sicher, wie viel ich bei der Lesung von 7 Stunden alles verpasst habe. Die Kürzungen waren allerdings gut, sodass ich nicht das Gefühl hatte, wichtige Teile der Hanlung werden angedeutet, aber nicht erzählt. Und Rufus Beck als Sprecher ist natürlich einfach brilliant.
Es geht um den englischen Gentleman Phileas Fogg, der sich auf eine Wette einlässt. In nur 80 Tagen will er die Welt umrunden. Und das war Ende des 19. Jahrhunderts noch eine echte Herausforderung. Die Reise wird vor allem per Bahn und Schiff unternommen, aber unterwegs gibt es natürlich Herausforderungen, sodass auch per Elefant oder Segelschlitten gereist wird. Mit dabei ist sein Diener Passepartout und die beiden lernen auf ihrer Reise viele verschiedene Gestalten kennen.
Insgesamt war dieses Buch zwar spannend, aber ich habe mich an dem (damals noch um einiges gesellschaftsfähigeren) Rassismus und Sexismus gestört. Auch bei der Darstellung von Phileas Fogg war ich mir nicht sicher, ob er als beherrschter Einelgänger positiv oder negativ gezeichnet werden sollte. Für mich war seine Person überheblich und gefühllos und damit unsympatisch, aber ich habe die Vermutung, dass dies zwar gewollte, aber eigentlich positiv gesetzte Eigenschaften waren.
Dies ist eines der Bücher, die meiner Meinung nach inzwischen so überholt sind, dass sie nicht mehr in den Kanon der lesenswerten Klassiker gehören und zwar nicht aufgrund der Geschichte, die durchaus unterhaltsam war, sondern aufgrund des darin verbreiteten Menschenbildes. Vor allen Dingen Kinder (auch wenn man mit ihnen über die unterschiedlichen Sichtweisen der Gesellschaft damals und heute spricht) sollten Bücher mit einer positiveren Botschaft lesen.

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Buch Review: Die Frau im Spiegel

Die Frau im SpiegelDie Frau im Spiegel von Éric-Emmanuel Schmitt
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

Vor mehreren Jahren war ich bei einer Lesung von Eric-Emmanuel Schmitt, bei der er dieses Buch vorgestellt hat. Es war ein wunderschöner Abend und ich habe das Buch vage auf meine imaginäre und endlos lange „das solltest du auch mal lesen“-Liste in meinem Kopf geschrieben. Dass es mir dermaßen gut gefallen würde konnte ich ja nicht ahnen, sonst hätte ich es schon lange getan. Dieses Buch habe ich mir als Hörbuch vorlesen lassen. Dazu kann ich sagen, dass das Konzept, jede der drei Hauptfiguren mit einer anderen Sprecherin zu besetzen sehr gut funktioniert hat und mir alle drei gut gefallen haben.
Es geht um Anne, Hanna und Anny, drei Frauen in drei Zeitaltern, die sich mit ihrer Version von Freiheit und sie selbst sein auseinandersetzen. Alle drei haben es schwer, sich an die geltenden Normen anzupassen. Anne flieht vor ihrer Hochzeit und sucht einen Weg Abseits der Ehe und der Kirche, Hanna ist vor kurzem den Bund der Ehe eingegangen aber in der feinen Wiener Gesellschaft nicht glücklich und Anny ist Schauspielerin, aber hat mit Drogen, Alkohol, dem Showbuisness und ihrer Beziehung zu Männern im allgemeinen und im Besonderen zu kämpfen.
All diese Schicksale könnten für sehr unangenehme Elemente sorgen und in manchen Büchern passiert es, dass ich nicht gerne weiterlese, weil die Personen mit ihren Fehlern so zur Schau gestellt werden, aber hier war das nicht der Fall. Schmitt geht so liebevoll und verständnisvoll mit ihnen um, dass die Eskapaden und Nöte kein weggucken wollen, sondern im Gegenteil ein in die Arme nehmen wollen bewirken. Man möchte am liebsten zu jeder einzelnen hingehen und sagen: „Natürlich darfst du der Mensch sein, der du sein möchtest, mach dir keine Sorgen um die Gesellschaft. Wenn die dich nicht verstehen…geh einfach deinen Weg, du bist wundervoll wie du bist“
Bei mir hinterlässt es die Frage, wieso sich Menschen und vielleicht vor allem Frauen auch heutzutage noch so verbiegen, um den Ansprüchen gerecht zu werden, die eine Gesellschaft an sie stellt. Und die Gewissheit, dass jeder und jede ihren und seinen Weg finden kann.
Ein Buch, zu dem ich mit Freuden zurückkehre und dass ich bestimmt noch ein paar mal lesen werde. Und in diesem Jahr bisher mein unangefochtener Favourit.

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Buch-Review: City of Masks

City of Masks (Stravaganza, #1)City of Masks von Mary Hoffman

Meine Bewertung: 2 von 5 Sternen

Ich habe dieses Buch zusammen mit vier weiteren aus dieser Reihe vor gefühlt ziemlich langer Zeit geschenkt bekommen und mich jetzt daran gemacht, es zu lesen. Die Geschichte ist ganz nett, hat mich aber nicht wirklich aus den Socken gehauen. Vielleicht bin ich gerade nicht so in der Stimmung für Jugendliteratur, denn ich habe das Gefühl, dass es mir mit etwa 14 deutlich besser gefallen hätte.
Es geht um Lucien, einen 15-jährigen Jungen, der an Krebs leidet und sich gerade von einer Chemotherapie erholt. Sein Vater schenkt ihm ein Notizbuch, mit dessen Hilfe er in eine Art Parallelwelt gelangen kann. Er gelangt vom London der heuten Zeit nach Bellanzza, einer Stadt, die dem Venedig in unserer Welt sehr ähnlich ist, allerdings zur Zeit des 16. Jahrhunderts. Dort trifft er auf Arianna, ein Mädchen in seinem Alter, und Rudolfo, einen Wissenschaftler. Die beiden kümmern sich um ihn und helfen ihm, sich in der Welt und mit seinen Fähigkeiten zurecht zu finden. Rudolfo arbeitet am Hof der Duchessa, der Herrscherin von Bellanzza, sodass Lucien sich eng mit den Geschehnissen am Hof verbunden sieht. Die Duchessa befindet sich in einer politisch kritischen Situation und dass Lucien ihr beinahe zuällig das Leben rettet ist erst der Anfang seiner Abenteuer.

Es fiel mir gar nicht so einfach, diese kurze Zusammenfassung zu schreiben und ich glaube darin liegt auch schon einer der Gründe, wieso mich dieses Buch nicht so richtig mitgerissen hat – mir war nie ganz klar, ob die Geschichte schon begonnen hat, was die wichtigen Teile sind und worauf es hinaus läuft. Die Figuren waren zwar liebenswert, aber ihre Motive und Gefühle und Hintergründe waren mir nicht klar genug herausgearbeitet. Insbesondere der Teil von Luciens Leben, der in der heutigen Zeit spielt wurde eher angerissen und meiner Meinung nach hätte dort eine Menge mehr Arbeit an den Charakteren stattfinden können. Das schwere, aber auch wichtige Thema „schwere Krankheit von Jugendlichen“ wurde zwar erwähnt, aber nicht behandelt, genauso wie, ohne spoilern zu wollen, weitere Schwerpunkte dieses Teils der Geschichte. Aber auch in der Welt von Bellanzza werden beispielsweise die Verwunderung über den Wechsel in eine andere Welt nur sehr am Rande behandelt. Vor allen Dingen am Ende ging es für mich viel zu schnell, die Ereignisse waren mehr hintereinander aufgereiht, wurden aber nicht tiefer ergründet.

Das Buch ist nicht schlecht, lässt aber an Tiefe vermissen. Ich werde in den Folgeband vermutlich auch noch wenigstens reinschauen um einen Überblick zu erhalten, ob die Geschichte, die, wenn ich es dem Cover richtig entnommen habe eine neue Protagonistin hat, dann Fahrt aufnimmt. Wenn nicht werde ich die Serie vermutlich nicht beenden, sondern bei einem ganz netten, wenn auch nicht außergewöhnlich guten Ausflug nach Bellazza belassen.

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Buch-Review: Sternentaler

SterntalerSterntaler von Kristina Ohlsson
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternen

Mein erster Krimi von Kristina Ohlsson – in meinem Regal steht noch (ungelesen) der erste Teil der Serie – Aschenputtel – aber ich habe aus einer Laune heraus mit diesem Hörbuch angefangen, dem dritten Teil der Serie. Zu dem Hörbuch ist zu sagen, dass ich die Stimme des Sprechers Uve Teschner als angenehm empfunden habe, ich konnte gut zuhören.
Ich habe mich auch recht schnell in die Figurenkonstallation der Hauptfiguren eingefunden, die Beziehungen der Ermittler untereinander waren zwar nicht oberflächlich, aber so gut dargestellt, dass ich keine Probleme hatte, zu folgen, wie wer mit wem verbunden ist, obwohl ich eben nicht am Anfang der Serie um Alex Recht und Fredrika Bergman begonnen habe.
Es wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, zerhackt, in Plastiksäcke verpackt und in einem Waldstück begraben. Wie sich herausstellt handelt es sich dabei um eine, vor einigen Jahren verschwundene, Studentin. Im Laufe der Ermittlungen geraten immer mehr mögliche Täter in den Blickpunkt der Polizei. Dass nacheinander noch zwei weitere, wenn auch sehr viel ältere Leichen an derselben Stelle gefunden werden, macht den Fall nicht gerade einfacher. Erst spät in der Suche nach dem Mörder findet die Polizei die Schlüsselperson, mit der dies alles zusammenhängt und die seit langem ein wohl gehütetes Geheimnis mit sich herumträgt.

Insgesamt handelt es für mich bei diesem Buch um einen soliden Krimi, der mich allerdings erst recht spät (wenn überhaupt) wirklich gepackt hat. Es werden einige Themen im Hintergrund behandelt – Snuff-Filme, sexelle Übergriffe durch Professoren, ungewollte Schwangerschaften, neue Mutterschaft, Liebe/Beziehungen nach/während einer (persönlichen) Katastrophe – aber alle wurden in meinem Leseerleben eher angerissen als ausführlich abgehandelt. Auch die Unterbechung der Geschichte durch eingestreute Interviews mit dem Ermittlerteam, die offenbar nach den abgeschlossenen Ermittlungen einen Rückblick auf die Geschehnisse geben hat mich eher irritiert als positiv zu meiner Erfahrung beigetragen. Und ganz allgemein ist mir klar geworden, dass viele skandinavische Krimis (ich kenne das sonst auch gut von Henning Mankell oder Lars Kepler) sehr … düster sind, die Figuren innerlich oft auf eine Art zerrissen oder kaputt, die zwar auf der einen Seite sehr zur Tiefe der Figur beiträgt, mir an anderen Stellen aber auch übretrieben vorkommen kann und insgesamt dazu führt, dass ich ein weniger großes Vergnügen dabei habe, diese Bücher zu lesen oder weniger gerne in diesen Texten versinke. Ich werde wohl in nächster Zeit eher andere Bücher lesen, Krimis sehr wohl, aber keine skandinavischen.

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Buch-Review: Der Nachtzirkus

Der NachtzirkusDer Nachtzirkus von Erin Morgenstern
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen

Der Nachtzirkus ist das erste (zum ersten Mal gelesene) Buch in diesem Jahr, das mir wirklich wirklich gut gefallen hat.
Vielleicht ist es eines der Bücher, von denen man besser den Inhalt nicht so genau kennt, bevor man anfängt es zu lesen. Nicht, weil man sich damit die Geschichte verderben würde, sondern, weil es die Stimmung des Buches so an sich hat, dass alles sehr geheimnisvoll ist, dass man selber auf Entdeckungsreise mit und in dieser Geschichte geht. Eine genauere Inhaltsangabe würde meiner Meinung nach dieser Stimmung nicht zuträglich sein.
Allerdings kann man folgende Dinge schon über die Geschichte sagen: sie spielt zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Es gibt drei große Erzählstränge. Wie bei einem Zirkus nicht anders zu erwarten ist alles voller Magie. Über das Hörbuch lässt sich außerdem noch sagen, dass ich der Stimme von Matthias Brandt gut zuhören konnte.
Insgesamt war mein Eindruck, dass diese Geschichte etwas von einem Märchen hatte, aber auch von einem Traum. Allerdings nicht so, dass es mir zu unwirklich gewesen wäre, sondern eher als wäre überall ein bisschen Bühnennebel, der die Sicht ein bisschen einschränkt, aber gleichzeitig der Fantasie mehr Raum gibt. Die Sprache ist sehr passend, es wird viel mit Symbolen gearbeitet und insbesondere Farben spielen eine große Rolle. Viele, wenn auch nicht alle Charaktere sind meiner Ansicht nach stimmig geschrieben, wobei sich selbst die Ausnahmen gegen Ende hin gut in das Konzept einfügen und mich die Geschichte besser verstehen lassen. Ich hätte mir allerdings einen noch schöneren Twist gewünscht. Während der Geschichte habe ich mir nicht viele Gedanken darüber gemacht, wie das Ende aussehen könnte, sondern habe sie einfach auf mich zukommen lassen. Deswegen kann ich nicht sagen, dass ich mir das Ende so gedacht hätte, allerdings war ich auch nicht besonders überrascht darüber, wie es gekommen ist. Alles in allem mochte ich den Nachtzirkus und alle seine Figuren sehr gerne – ein schönes Lese- (oder in meinem Fall Zuhör-)Erlebnis.

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