Film-Review: Vessel

https://i1.wp.com/vesselthefilm.com/uploads/websites/456/1412792178.jpgAls ich neulich unterwegs war, habe ich ein Plakat gesehen: Heute Abend Vorführung des Films „Vessel – Past Land, Past Law, Past Permission“ auf Spendenbasis. Ich hatte an dem Abend noch nichts vor und dachte: Wieso nicht?
Bei dem Film handelt es sich um eine vielfach ausgezeichnete Dokumentation der Filmemacherin Diana Whitten zusammen mit ihrem Team. Sie begleiten die Niederländische Ärztin Rebecca Gomperts bei einem großartigen Projekt, das sie zusammen mit vielen Helfer_Innen ins Leben gerufen hat – den Women on Waves. Women on Waves unterstützt Frauen in Ländern, in den Abtreibungen verboten sind. Dabei besteht ein großer Teil darin, lokale Gruppen zu stärken und zu schulen, damit diese ihrerseits als Multiplikatoren dienen und Frauen unterstützen können, die eine Abtreibung als einzige Lösung ihrer Situation sehen. Allerdings ist das nicht alles. Sie planen auch Aktionen, die ganz gezielt Frauen vor Ort helfen. Dazu fahren sie mit ihrem Schiff in Länder wie Polen, Irland und (zum Zeitpunkt des Drehs) Portugal oder Spanien. Die Idee ist, Frauen an Bord zu lassen und mit ihnen zwölf Seemeilen hinaus aufs offenen Meer zu fahren. Dann befindet man sich in internationalen Gewässern und unter den Gesetzen des Landes, unter dessen Flagge das Schiff fährt, in diesem Fall den niederländischen. Auf dem Schiff befindet sich eine Spezialklinik, die aus nicht mehr als einem Raum besteht. Da nach niederländischen Recht Abtreibungen nicht verboten sind, allerdings in einer Klinik stattfinden müssen, können 12 Meilen vor der Küste legal Abtreibungen durchgeführt werden.
Abtreibungen können durch die Verabreichung einer Pille erreicht werden. Dies ist vor allem zu Beginn der Schwangerschaft möglich. Mit dem Wirkstoff der Pille werden krämpfe eingeleitet und die Frau erleidet eine Fehlgeburt. Frauen in Ländern, in denen Abtreibungen verboten sind, greifen zu drastischeren Mittlen um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Sie schlagen sich auf den Bauch, stochern mit spitzen Stöcken in ihrer Vagina herum oder trinken Bleach. Alle zehn Minuten stirbt eine Frau an den Folgen eines Abtreibungsversuches.
Der Film beleuchtet das Thema eingehend, erklärt Fakten, zeichnet den Weg nach, den Women on Waves beschritte haben und zeigt sowohl erfolgreiche Aktionen als auch Hindernisse, mit denen gekämpft werden musste. Er ist tiefgehend und ergreifend und hinterlässt in mir die Erkenntnis, in was für einer priviligierten Stellung ich mich befinde, in einer Gesellschaft zu leben, in der einerseits eine Abtreibung theoretisch möglich wäre, in der ich aber andererseits nicht schreckliche Folgen für mich oder mein Kind fürchten muss, wenn ich ungeplant schwanger werde.
Er hinterlässt Unverständnis, Unverstehen für Menschen, die mit so viel Kraft verhindern wollen, dass Frauen diese Möglichkeit verwehrt bleibt. Und er hinterlässt tiefe Bewunderung und Respekt für die Menschen (und vor allem Frauen), die sich mit so viel Kraft, Ideenreichtum und Unnachgibigkeit dafür einsetzen, diesen Umstand zu ändern. Mehr und genauere Informationen gibt es auf der Webseite http://vesselthefilm.com/

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Das Museum für Film und Fernsehen

Ich habe das Museum für Film und Fersehen besucht. Jeden Sonntag gibt es eine kostenlose Führung um 14 Uhr, die etwa 90 min dauert. Ich war sehr erstaunt, dass wir an diesem Tag nur drei Menschen waren, die dem Museumsführer hinauf in den dritten Stock des Gebäudes gefolgt sind. Die Ausstellung war angenehm besucht, nicht leer, aber auch nicht überfüllt. Ich muss zugeben, dass ich zwar sehr gerne ins Kino gehe und Filme schaue, aber von Filmgeschichte nicht allzu viel Ahnung habe. Um so spannender war der Weg durch die Ausstellung, der breits Ende des 19. Jahrhunderts begann. Ich habe viele Dinge gelernt, unter anderem, dass die Schwarzweißfilme früher häufig nicht schwarz-weiß waren, sondern der Film eingefärbt worden ist, sodass es eigentlich schwarz-blau oder schwarz-rot oder ähnliches war. Die Farbe deutete dabei auf den Inhalt hin. Romantische Szenen waren in schwarz-rot gehalten, Szenen auf See oder bei Nacht in Schwarz blau, im Wald schwarz-grün… Und auch, dass Filme vor den Synchronisationstechniken, die es heute gibt einfach doppelt gedreht wurden, wobei die Schauspieler den Text in verschiedenen Sprachen vorgetragen haben, hat mich erstaunt. Es gibt viel zu sehen, der Film Metropolis wird besonders betont, ebenso beispielsweise die Schauspielerin Marlene Dietrich. Einer meiner Aha-Momente hat mich allerdings selbst erstaunt. Es werden Originalkostüme von Marlene Dietrich dargestellt, unter anderem ein knallroter Mantel. Im selben Raum laufen kurze Filmausschnitte, die sie in den jeweiligen Kostümen zeigen, allerdings in schwarz-weiß. Ich WEIß, dass die Welt früher nicht schwarz-weiß war, aber als ich den Mantel neben der Aufnahme des Mantels gesehen habe, ist mir klar geworden, wie wenig ich mir die Farben einer Welt vorstellen kann, die mir dann in schwarz-weiß auf dem Monitor gezeigt wird.
Nach gut 90 min, in denen wir viel über die Geschichte des Films gelernt hatten, aber noch nicht am Ende der Ausstellung angekommen waren, hat sich unser Museumsführer von uns verabschiedet. Die letzten Räume habe ich eher durchstreift, obwohl sie auch noch viel viel Spannendes enthalten haben. Aber meine Aufnahmekapazität war gesättigt.
Alles in allem gibt es viel zu sehen und ich werde auf jeden Fall gerne noch einmal das Museum für Film und Fernsehen besuchen. Zumal ich die Sonderausstellung gänzlich übersprungen habe.

Dear July // 10

Frauen 100 m Lauf Ziellinie
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Dear July,

ab und zu spühlt ein neuer Monat neue Ideen in meinen Kopf, neue Interessen und neue Dinge, die mir wichtig sind. Und du hast mir den Feminismus gebracht. Ich stehe noch ganz am Anfang von all den Dingen, die ich interessant finde und die ich gerne genauer kennenlernen würde. Ich stehe noch ganz am Anfang mit meiner eigenen Meinung, was mir besonders wichtig ist und was ich von all dem halte. Aber ich merke, dass es mir schwer fällt, mich als Feministin zu identifizieren. Ich bin mir nicht sicher, in welchem Zusammenhang das Wort für mich einen negativen Beigeschmack erworben hat. Und ich muss mir immer wieder klar machen, dass ich nicht „gegen Männer“, sondern „für Chancengleichheit“ bin, nicht die Taten der einen verdamme und der anderen grundsätzlich bevorzuge, nicht „Rache nehmen“ möchte, an den Jahrtausende alten Formen des Patricharchismus, sondern „nur“ finde, dass Männern und Frauen die gleichen Chancen gegeben werden sollten. Und dass dies immer noch nicht (überall) der Fall ist, so sehr ich das auch glauben möchte. Dass Frauen immer noch im Schnitt für diegleiche schlechter bezahlt werden, dass Frauen immer noch zu selten in Führungspositionen vertreten sind, dass Frauen immer noch Sexismus ausgesetzt sind, wenn auch in einem viel subtileren Maße als noch vor einigen Jahren. Ich bin mir nicht sicher, wieso Feminismus bei mir all diese Beispiele hervorruft, gegen die ich mich aktiv in meinem Kopf wehren muss. Und es überrascht mich und beunruhigt mich ein bisschen, weil es mir zeigt, dass Chancengleichheit für Frauen noch lange nicht in allen Köpfen akzeptiert ist, dass es Menschen gibt, die den Feminismus so bedrohlich finden, dass die Menschen, die sich dafür engagieren (meistens Frauen), wenn möglich klein geredet und abgestempelt werden. Natürlich gibt es wie in allen anderen Bewegungen auch Menschen, die sich in verschiedenem Umfang und mit verschiedenen Mitteln einsetzen und gerade im Feminismus habe ich das Gefühl, dass jede Generation für sich neu die Probleme definiert und die Grenzen absteckt, aber gerade hier ist die Grundidee eigentlich noch „radikal“ genug, dass darüber diskutiert werden könnte und nicht die Randgruppen „verdammt“ werden müssen. (Ein schöner TED Talk ist übrigens HIER und HIER zu finden)

Am meisten fasziniert mich zur Zeit Feminismus in der Filmindustrie. Wenn ich lese, dass nur 5 % der 2000 erfolgreichsten Filme der letzten 20 Jahre Frauen als Regisseurinnen hatten (mehr Zahlen dazu sind zum Beispiel hier zu finden), dann macht mich das traurig, weil ich merke, wie selten Frauen Geschichten auf ihre Art in den Mainstream Medien erzählen können. Dieses eine Beispiel ist vielleicht eines der am wenigsten bedeutsamen, aber das hast du mir heute zugetragen, Juli. Und ich weiß, ich werde noch mehr lernen. Ich werde lernen, was ich tun kann, um mich wohlzufühlen, mich als Feministin zu bezeichnen, ich werde lernen, was ich tun kann, um die Chancenungleichheit zwischen Männern und Frauen ein bisschen zu ändern und ich werde mehr lesen, gucken und mit Leuten reden, damit ich meinen nächsten Blogpost schreiben und mich sicherer dabei fühlen kann.

Lu

Der schönste und traurigste Film ….

blau grüne Seide
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Vor ein paar Tagen war ich eine ganze Weile mit dem Auto unterwegs – zum Glück hatte ich Gesellschaft, die mich unterhielt. Ich weiß gar nicht mehr genau wie wir darauf kamen, aber ich habe den Film „Claire – sich erinnern an die schönen Dinge“ (ich habe gerade keinen Trailer gefunden, aber ein „die besten Momente“-Video für einen Eindruck) zitiert („Da ist ein Pferd in unserem Bett.“) „Ach, ‚Claire‘ „, hat meine Begleitung gesagt, “ der schönste und traurigste Film der Welt.“

Das finde ich nicht. Ich gebe gerne zu, dass er sehr traurig ist und vielleicht auch schön, es ist schon eine ganze Weile her, dass ich ihn gesehen habe, aber für den Titel „schönster und traurigster Film der Welt“ reicht es dann doch nicht. Aber ich kam ins Überlegen – was ist denn für mich der schönste und traurigste Film der Welt? Den traurigsten kann ich benennen – für mich ist das „Brothers Bloom“. Ich finde man merkt es nicht, wenn man den Trailer guckt und auch lange nicht während des Filmes, aber das Ende … oh das Ende.

Aber der schönste Film? Da habe ich hohe hohe Ansprüche. Um als „der schönste Film“ zu gelten muss er für mich sanfte Bewegungen und Seidentücher beinhalten, ich bin mir gar nicht so sicher warum, sanfte Musik und eine schöne Geschichte (auf keinen Fall langweilig) und farblich sehr schön komponiert sein. Ich habe meinen schönsten Film noch nicht gefunden und ich habe so eine Ahnung, dass das vielleicht auch nie passieren wird, aber das ist gar nicht so schlimm. Bis zu dem Tag habe ich dann immer noch eine gute Ausrede, so oft wie möglich ins Kino zu gehen, denn wer weiß … wenn es eines Tages wirklich meinen „schönsten Film der Welt“ gibt, dann will ich ihn natürlich auf keinen Fall verpassen.

Lu