Buch-Review: Sprech-Stunden

Sprech-Stunden : Erzählte PsychotherapieSprech-Stunden : Erzählte Psychotherapie von Gertraud Evers
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen

Eigentlich lese ich nur äußerst ungern Sachbücher, sie erzälen mir zu wenig Geschichten und ich merke mir Fakten nur halb so gut, wenn sie nicht in einer schönen Geschichte verpackt sind. Das war hier anders. Ich habe vor einiger Zeit bereits ein Buch einer amerikanischen Autorin gelesen – Die Männer auf meiner Couch: Wahre Fälle einer New Yorker Sextherapeuthin– indem die Autorin verschiedene Fälle ihrer Patienten erzählt. Ob die einzelnen Personen tatsächlich so existiert haben oder Mischungen sind, von verschiedenen Menschen, denen sie begenet ist, war mir nicht so wichtig, aber ich wollte gerne mehr darüber lesen, was Menschen bewegt, die sich für eine Psychotherapie entscheiden, was dort passiert und was Ergebnisse sein könnten. Und ich wollte kein Buch, das mir verschiedene Therapieansätze erläutert oder die Geschichte nacahverfolgt, ich wollte Beispiele, die länger als der Infokasten auf Seite 73 sind. Und dazu war dieses Buch wunderbar geeignet. Es zeichnet den Therapieverlauf von vier sehr unterschiedlichen Personen mit sehr unterschiedlichen Problemen nach – eine Frau mit Panikattaken, deren Themen Aufmerksamkeit, Beziehungen zu Männern und zu Zeit sind, ein Mann mit Depressionen, der sich mit seiner hellen und seiner dunklen Seite und mit Empathie auseinandersetzt, eine Frau, die das Thema sexueller Missbrauch aufarbeitet und ein Mann, der unter Prüfungsstress leidet und die Beziehung zu seinen Eltern und zu den eigenen Ansprüchen durchgeht.
Dazu immer wieder der Blick der Psychologin, ihre Einschätzungen, ihre Gedanken, Dinge die ihr auffallen und auch Dinge, die sie im Nachhinein anders gemacht hätte. Die Fälle sind thematisch aufgebaut, das heißt, dass zwar ein grober chronologischer Verlauf zu erkennen ist, der Schwerpunkt aber auf den verschiedenen Themen der Patienten liegt, die einzeln dargestellt werden.
Was dieses Buch nur indirekt leisten kann, ist ein Feedback der Patienten. An manchen Stellen wird es eingebaut, aber mich hat das Lesen neugierig gemacht darauf, wie eine Therapie von Patientenseite aus erlebt wird. Vielleicht finde ich dazu auch noch ein Buch.
Insgesamt auf jeden Fall ein spannendes Thema. Das Buch lässt sich gut lesen, hat eine schöne Sprache und ist verständlich geschrieben, also verzichtet auch hochtrabendes Fachchinesich. Wichtige Begriffe werden nebenbei erläutert ohne den Lesefluss zu unterbrechen. Ein guter Einstieg in das Thema, besonders für Menschen wie mich, die eher an den Geschichten hinter den Fakten interessiert sind.

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Buch-Review: Veronika beschließt zu sterben

Veronika beschließt zu sterbenVeronika beschließt zu sterben von Paulo Coelho

Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen

Vielleicht bin ich mit zu hohen oder anderen Erwartungen an dieses Buch herangegangen – es war auf jeden Fall anders als gedacht. Zum einen war es mein erstes Buch von Paulo Coelho und obwohl ich viele seiner Gedanken spannend und schön fand, war mir das Buch insgesamt zu – seicht, wobei ich nicht sicher bin, ob ich das auch gedacht hätte, wenn es nicht von Coelho gewesen wäre. Ihm ist der Ruf nach tiefgehenden Ideen und Gedanken voraus geeilt, sodass ich … mehr erwartet habe. Ein bisschen wie wenn man Graubrot isst und Vollkorn erwartet. Schon viel besser als Toast, aber eben doch nicht so wirklich befriedigend.
Die andere nicht erfüllte Erwartung ist, dass ich mir bewusst einen Autor von einem anderen Kontinent ausgesucht habe, um in einen anderen Kulturkreis einzutauchen. Und obwohl sich die beschriebene Gesellschaft in Slovenien etwas von der deutschen unterscheidet, war es mir viel zu nah an meinem Alltag. Aber diese Haltung hatte eher etwas mit meinem Vorhaben zu tun als dass ich dem Buch oder dem Autor einen Vorwurf machen könnte.
Insgesamt war es auf jeden Fall nicht schlecht.
Veronika, eine junge Frau aus Slowenien, beschließt sich umzubringen. Leider (oder zum Glück) wird sie entdeckt und in eine geschlossens Klinik eingeliefert. Dort wird ihr mitgeteilt, dass sie aufgrund eines Herzfehlers nur noch ein paar Tage zu leben hat. Im Umgang mit den anderen Patienten merkt sie, dass sie doch noch nicht bereit ist zu sterben.
Coehlho setzt sich mit verschiedenen Themen genauer auseinander. Für mich war das stärkst von allen das „Verrückt sein“, das er von versciedenen Seiten immer wieder neu angeht, wobei der Grundtenor ist: „Verrückt ist, wen die Gesellschaft als nicht normal beschreibt. Anders als die Wertung die dabei mitschwingt sollte man sich darüber klar werden, dass anders sein nichts schlechtes bedeutet“
Es geht aber auch um Bezeihungen, Liebe, Politik, Lebensentwürfe, Religion, Wandel, Freiheit, Perspektive, Erfolg und vieles mehr. Ich hatte aber beim Lesen oft das Gefühl, all diese Themen nur an der Oberfläche zu streifen anstatt tief in sie einzutauchen. Ich hätte sie gerne mit Veronika zusammen noch mehr erlebt. Vielleicht liegt es ein bisschen an der Erzählweise, die den Blick seltsam außen auf den Dingen belässt anstatt von innen heraus zu blicken.
Während des Lesens habe ich mich gefragt, welches Ende sich für mich befriedigender anfühlen würde, wenn Veronika doch nicht sterben müsste oder wenn sie, nachdem sie viele Dinge über das Leben in kuzer Zeit gelernt hat, trotzdem nicht überlebt. Und auch das Ende war in Ordnung, aber ich hätte mir – mehr gewünscht.
Alles in allem ein nettes Buch, zu dem ich aber in nächster Zeit nicht so schnell zurück kommen werde.

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Buch Review: The Cloud Pavilion

The Cloud PavilionThe Cloud Pavillion von Laura Joh Rowland
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen

Dieses Buch habe ich in meinem Bücherregal gefunden und ich weiß wirklich nicht mehr wie es dorthin gekommen ist. Erst beim Lesen wurde mir klar, dass es Teil einer Reihe ist. Allerdings hat das mein Lesevergnügen nicht getrübt. Ich hatte den Eindruck, dass ich für das Geschehen in diesem Buch alle wichtigen Informationen und Eindrücke bekommen habe, es gab aber auch immer wieder Rückgriffe auf frühere Ereignisse, die ich, wenn ich die Serie von Anfang an verfolgt hätte, wahrscheinlich noch besser hätte einordnen können.
Dieser Krimi spielt im Japan zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Hauptperson ist der Samurai Detektiv Sano, dessen Aufmerksamkeit auf den Fall von mehreren entführten und vergewaltigten Frauen gelenkt wird. Eine davon ist seine (ihm bis dahin eigentlich unbekannte) Cousine Reiko. Die Frauen tauchen zwar alle nach wenigen Tagen wieder auf, aber Sano macht es sich zur Aufgabe, ihre Schänder zu finden und zu bestrafen. Das ist gar nicht so einfach, vor allen Dingen, weil Sanos Rivale Yanagisawa sich verdächtig ruhig verhält und bestimmt irgendetwas im Schilde führt.
Insgesamt hat es Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und in ein vergangenes Japan einzutauchen, in dem Gebräuche, Umgangsformen und Machtgefüge so anders und ein bisschen verwirrend, aber auf jeden Fall spannend sind. An ein paar Stellen hat mich die Geschichte aber auch irritiert. Die Nebenhandlung, die in der ersten Hälfte immer wieder auftaucht, verschwindet in der zweiten und wird am Ende nur noch sehr stiefmütterlich zu einem abrupten Ende gebracht. Die Ermittlungsmethoden belaufen sich (gefühlt) manchmal darauf, die Verdächtigen zu besuchen, zu beschuldigen und dann, weil diese ihre Tat natürlich abstreiten, ohne weitere Fragen wieder zu gehen. Und die leicht übersinnlichen Kräfte eines in die Ermittlungen eingebundenen Freundes fallen praktischerweise immer dann aus, wenn sie nützlich sein könnten.
Dennoch alles in allem ein nettes „zwischendurch Buch“, dass neben einem Einblick in die Geschichte für mich vor allem Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern aufgezeigt hat. Sollte mir ein anderer Teil der Serie über den Weg laufen bin ich nicht abgeneigt ihn zu lesen, aktiv suchen werde ich ihn aber nicht.

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Buch-Review: City of Masks

City of Masks (Stravaganza, #1)City of Masks von Mary Hoffman

Meine Bewertung: 2 von 5 Sternen

Ich habe dieses Buch zusammen mit vier weiteren aus dieser Reihe vor gefühlt ziemlich langer Zeit geschenkt bekommen und mich jetzt daran gemacht, es zu lesen. Die Geschichte ist ganz nett, hat mich aber nicht wirklich aus den Socken gehauen. Vielleicht bin ich gerade nicht so in der Stimmung für Jugendliteratur, denn ich habe das Gefühl, dass es mir mit etwa 14 deutlich besser gefallen hätte.
Es geht um Lucien, einen 15-jährigen Jungen, der an Krebs leidet und sich gerade von einer Chemotherapie erholt. Sein Vater schenkt ihm ein Notizbuch, mit dessen Hilfe er in eine Art Parallelwelt gelangen kann. Er gelangt vom London der heuten Zeit nach Bellanzza, einer Stadt, die dem Venedig in unserer Welt sehr ähnlich ist, allerdings zur Zeit des 16. Jahrhunderts. Dort trifft er auf Arianna, ein Mädchen in seinem Alter, und Rudolfo, einen Wissenschaftler. Die beiden kümmern sich um ihn und helfen ihm, sich in der Welt und mit seinen Fähigkeiten zurecht zu finden. Rudolfo arbeitet am Hof der Duchessa, der Herrscherin von Bellanzza, sodass Lucien sich eng mit den Geschehnissen am Hof verbunden sieht. Die Duchessa befindet sich in einer politisch kritischen Situation und dass Lucien ihr beinahe zuällig das Leben rettet ist erst der Anfang seiner Abenteuer.

Es fiel mir gar nicht so einfach, diese kurze Zusammenfassung zu schreiben und ich glaube darin liegt auch schon einer der Gründe, wieso mich dieses Buch nicht so richtig mitgerissen hat – mir war nie ganz klar, ob die Geschichte schon begonnen hat, was die wichtigen Teile sind und worauf es hinaus läuft. Die Figuren waren zwar liebenswert, aber ihre Motive und Gefühle und Hintergründe waren mir nicht klar genug herausgearbeitet. Insbesondere der Teil von Luciens Leben, der in der heutigen Zeit spielt wurde eher angerissen und meiner Meinung nach hätte dort eine Menge mehr Arbeit an den Charakteren stattfinden können. Das schwere, aber auch wichtige Thema „schwere Krankheit von Jugendlichen“ wurde zwar erwähnt, aber nicht behandelt, genauso wie, ohne spoilern zu wollen, weitere Schwerpunkte dieses Teils der Geschichte. Aber auch in der Welt von Bellanzza werden beispielsweise die Verwunderung über den Wechsel in eine andere Welt nur sehr am Rande behandelt. Vor allen Dingen am Ende ging es für mich viel zu schnell, die Ereignisse waren mehr hintereinander aufgereiht, wurden aber nicht tiefer ergründet.

Das Buch ist nicht schlecht, lässt aber an Tiefe vermissen. Ich werde in den Folgeband vermutlich auch noch wenigstens reinschauen um einen Überblick zu erhalten, ob die Geschichte, die, wenn ich es dem Cover richtig entnommen habe eine neue Protagonistin hat, dann Fahrt aufnimmt. Wenn nicht werde ich die Serie vermutlich nicht beenden, sondern bei einem ganz netten, wenn auch nicht außergewöhnlich guten Ausflug nach Bellazza belassen.

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