Das Museum für Kommunikation

Briefkästen im Museum für Kommunikation.

Briefkästen im Museum für Kommunikation.

Ich habe mir vorgenommen, mehr Museen zu besuchen und deshalb war ich im Museum für Kommunikation. Mein erster Eindruck war, das es sich um ein wunderschönes Gebäude handelt, offen, gut restauriert, gut in Szene gesetzt. Allerdings war es auch sehr laut. Ich bin nicht jemand, den es stört, wenn zu hören ist, dass ein Ort belebt ist und der findet, dass (vor allem Kinder) nicht reden sollten, wenn sie ein Museum oder eine Bibliothek besuchen, aber die Offenheit des Gebäudes und die Ausstattung haben es sehr … hallig gemacht, sodass man über mehrere Ebenen hinweg mitbekommen hat, wenn irgendwo geredet wurde – das war nicht ganz optimal.

Weil ich Museen immer spannender finde, wenn mir jemand erklärt worum es geht, habe ich an einer Führung teilgenommen – und das war auch sehr gut so. Ich hätte vor meinem Besuch kurz nachdenken oder mich informieren sollen, denn aus irgendeinem Grund hatte ich erwartet, dass es sich (auch) um zwischenmenschliche Kommunikation handelt, die in diesem Museum behandelt wird. Wenn ich mir klar gemacht hätte, dass es das alte Postmuseum ist, dann wäre mir vielleiht eher bewusst geworden, dass es sich mehr um die technische Seite von Kommunikation handelt, die sich ja auch viel leichter greifen und zeigen lässt. Und so ging es zu einem Rundgang durch die Dauerausstellung. Nicht, dass ich das nicht spannend gefunden hätte – Postrouten, Telegramme, Telefone, die Erfindung des Internets – das alles ist schon mit einem gewissen Reiz verbunden und ich bin nach der Führung noch einmal zurück gegangen und habe mir verschiedene Dinge noch einmal genauer angesehen. Aber mir hat dann doch in diesem Museum der Bezug zu meinem eigenen Leben ein bisschen gefehlt, das story telling in der Ausstellung, das auch unser Begleiter nur bedingt auffangen konnte. Insgesamt ein schönes Museum, aber recht traditionell in der Aufbereitung. Und mir hat die Einbindung des Lebens von Frauen gefehlt – nicht eine Ecke, in der Frauen behandelt werden (und damit als „anders als die Norm“ behandelt würden), sondern neben all den männlich konnotierten Reiterboten, Geschäftsleuten, die sich Telegramme für 10 000 Mark leisten konnten und dem Fleischermeister, der leider die Beispieltelefonnummer, die auf den alten Apparaten abgedruckt war bekommen hat, hat mir der Einfluss, den die Kommunikation auf das Leben von Frauen hatte gefehlt.
Besonders gefallen haben mir die Zitate, die oben auf den Schaukästen standen, die Wand voller verschiedener Briefkästen, die auseinander gebaute Postkutsche und dass viele Texte auch auf Englisch dargestellt waren. Ein Museum, das ich bestimmt noch einmal besuchen werde, wenn ich selber (interessierte) Gäste habe, aber bei dem auch gerne noch ein paar Änderungen vorgenommen werden könnten.

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Dear July // 5

The Custom House, Dublin, Ireland
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Dear July,

heute habe ich eine Postkarte aus der Ukraine bekommen. Ich liebe es, Post zu bekommen, das habe ich glaube ich schon mal erwähnt, oder? Manchmal kommt der Briefträger sogar bis zu meiner Tür, meistens wenn ein Päckchen dabei ist oder ein sehr großer Umschlag, der nicht in den Briefkasten passt. Dann überreicht er mir das ganze meist mit den Worten: „Hier, mal wieder Ihre Fan-Post“. Ich glaube er hat keine Zeit dazu, die Karten zu lesen (sollte er ja auch besser nicht), um festzustellen, dass ich mitnichten „Fan-Post“ bekomme, aber ich freue mich jedenfalls, denn er ist sehr nett. Auf jeden Fall stand auf der Karte aus der Ukraine heute etwas sehr zauberhaftes – ich paraphrasiere mal: „Ich bin taub und kann daher keine Musik hören, aber ich kann eingefrorene Musik mit Architektur schaffen, ich bin nämlich auch Architekt!“ – Heute auf meinem Weg zu dem Gebäude ohne Fenster musste ich die ganze Zeit darüber nachdenken, was für ein wundervolles Bild das ist: Gebäude als eingefrorene Musik. Musik ist auf unerklärliche Weise so sehr mit dem verbunden, was ich Seele nennen würde. Musik ist in der Lage Stimmung zu schaffen und zu verändern, Filme ohne Musik sind kaum vorstellbar und ein Leben ohne Musik erst Recht nicht. Und mir vorzustellen, dass ich ohne Musik leben müsste ist ganz unheimlich.

Ich bin keine Architektin, ich kann keine Gebäude entwerfen, ich gucke sie mir manchmal ganz gerne an, aber mir fehlt ein bisschen das Verstehen oder das Auge für Architektur. Das ist völlig in Ordnung – ich habe gar nicht den Anspruch an mich selber, alles zu können, zu verstehen, mit allem vertraut zu sein. Aber ich musste darüber nachdenken, was wohl meine „gefrorene Musik“ wäre, wenn ich sie ersetzen müsste. Ich glaube, ich würde mich noch mehr, noch intensiver der Sprache zuwenden und versuchen, die Schönheit der Sprache noch mehr herauszuarbeiten, mit der Sprache die Musik nachzubilden so gut es geht. Und ich finde, ich kann damit auch jetzt schon anfangen. Wenigstens ein kleines bisschen.

Und in den nächsten Tagen werde ich mit besonders weit offenen Augen durch die Welt laufen und versuchen, die Musik in den Gebäuden zu entdecken. Wie gut, dass es so lange hell ist, wenn du da bist, Juli, dann macht es besondes Spaß!

Lu