Buch-Review: In 80 Tagen um die Erde

Reise Um Die Erde In Achtzig Tagengekürzte LesungReise Um Die Erde In Achtzig Tagengekürzte Lesung von Jules Verne
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternen

Irgendwann vor ein paar Jahren habe ich von Jules Verne schon einmal ein Buch gelesen – Von der Erde zum Mond. Deshalb hatte ich eine Vorstellung von seinem Stil. Von der Erde zum Mond hat mir nicht besonders gefallen und Anlass zum Lesen (oder in meinem Fall hören) dieses Buches war eine Sonderausstellung im Museum für Kommunikation, die ich mir angesehen und die dieses Buch zum Thema hatte.
Ich habe mich (mal wieder) für das Hörbuch entschieden. Die Version meiner Bibliothek war gekürzt – ich bin mir nicht sicher, wie viel ich bei der Lesung von 7 Stunden alles verpasst habe. Die Kürzungen waren allerdings gut, sodass ich nicht das Gefühl hatte, wichtige Teile der Hanlung werden angedeutet, aber nicht erzählt. Und Rufus Beck als Sprecher ist natürlich einfach brilliant.
Es geht um den englischen Gentleman Phileas Fogg, der sich auf eine Wette einlässt. In nur 80 Tagen will er die Welt umrunden. Und das war Ende des 19. Jahrhunderts noch eine echte Herausforderung. Die Reise wird vor allem per Bahn und Schiff unternommen, aber unterwegs gibt es natürlich Herausforderungen, sodass auch per Elefant oder Segelschlitten gereist wird. Mit dabei ist sein Diener Passepartout und die beiden lernen auf ihrer Reise viele verschiedene Gestalten kennen.
Insgesamt war dieses Buch zwar spannend, aber ich habe mich an dem (damals noch um einiges gesellschaftsfähigeren) Rassismus und Sexismus gestört. Auch bei der Darstellung von Phileas Fogg war ich mir nicht sicher, ob er als beherrschter Einelgänger positiv oder negativ gezeichnet werden sollte. Für mich war seine Person überheblich und gefühllos und damit unsympatisch, aber ich habe die Vermutung, dass dies zwar gewollte, aber eigentlich positiv gesetzte Eigenschaften waren.
Dies ist eines der Bücher, die meiner Meinung nach inzwischen so überholt sind, dass sie nicht mehr in den Kanon der lesenswerten Klassiker gehören und zwar nicht aufgrund der Geschichte, die durchaus unterhaltsam war, sondern aufgrund des darin verbreiteten Menschenbildes. Vor allen Dingen Kinder (auch wenn man mit ihnen über die unterschiedlichen Sichtweisen der Gesellschaft damals und heute spricht) sollten Bücher mit einer positiveren Botschaft lesen.

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Dear July // 8

Zug nach Narvik fährt ein in Uppsala C
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Dear July,

es ist Sommer und ich bin spontan ein bisschen auf Reisen. Reisen ist für mich etwas sehr sonderbares, zumindest manchmal, denn Wege haben nicht immer Zeit. Zuhause packe ich meinen Koffer, mache mir ganz viele Gedanken über mein Ziel, nehme wahrscheinlich zu viel mit und vergesse mindestens ein wesentliches Ding wie zum Beispiel meine Zahnbürste. Und dann mache ich mich auf den Weg. Ich steige in die Bahn oder den Bus oder stehe an der Straße und halte den Daumen raus und manchmal, manchmal steige ich auch in ein Flugzeug. Ich bin mir nicht sicher, wie es funktioniert, aber sobald ich auf dem Weg bin, bleibt die Zeit für mich stehen. Es ist meistens nicht so, dass ich mich langweile, ich kann lange lange fasziniert aus einem Fenster gucken oder sogar auf ein Navigationsgerät, es ist auch nicht so, dass auf dem Weg die Zeit an mir vorbeirauscht – vielleicht sind Wege die einzige Zeit, wenn ich das Gefühl habe, dass Zeit in genau der richtigen Geschwindigkeit vergeht. Aber wenn ich drei Stunden unterwegs war und ankomme und aus dem Auto, dem Bus, der Bahn oder dem FLugzeug aussteige, dann bin ich immer ein bisschen verwirrt, weil ich das Gefühl habe, es sollte, müsste, wäre genauso spät wie zu dem Zeitpunkt, als ich eingestiegen bin. Wege haben keine Zeit.

Gerade besuche ich eine Freundin und diese Reise kam mir besonders seltsam vor. Ich habe nämlich nicht aus dem Fenster geschaut, sondern mich in ein Buch vertieft. Gefühlt haben schon alle anderen (wer auch immer alle anderen sind) „We were Liars“ vor mir gelesen, aber ich hatte auf der dreistündigen Fahrt endlich Zeit, mich ganz in dieses Buch zu versenken. Bis jetzt ist es ziemlich großartig und ich hatte mehr das Gefühl von meiner Heimatstadt auf eine Insel und in einen Strudel an Gedanken, Erinnerungen, Vergessen, Spaß, Drama, Erwachsen werden und Sommer gesogen zu werden, von wo aus ich mich nur schwer befreien konnte, um dort anzukommen, wohin mein Körper auf der Reise war. Ich bin so froh, Juli, dass du mir gezeigt hast, wie sehr ich vergessen habe, wie sehr ich Bücher liebe und wie wundervoll sie sind. Eigentlich weiß ich das ja, aber andererseits ist es schon eine Weile her, seit ich ein Buch gelesen habe, dass mich wirklich und zum ersten Mal begeistert (denn in letzter Zeit habe ich auch viele alte Lieblinge noch mal hervorgegraben – das ist auch schön, aber ganz anders). Und der Sommer ist endlich wirklich da – ich habe einen kleinen Sonnenbrand auf der Nase, der mich an dich denken lässt.

Bis bald

Lu