Magicum – Berlin Magic Museum

Ich hatte Besuch und wir haben beschlossen, das Magicum in Berlin zu besuchen. Es war – anders als gedacht, aber trotzdem nett. Aufgrund des Namens hatte ich ein Museum erwartet, dass sich mit Zaubertricks beschäftigt, ein bisschen wie der Film „Now you can see me“ oder das Buch „Der faule Henker“, aber dem war nicht so. Es ging um Magie und Übersinnliches, Rätsel, Zukunft, Weltsichten. Begrüßt wurden wir mit dem Ziehen von zwei Karten, die, anders als Tarot, das sich auf die Zukunft bezieht, auf unsere Gegenwart gerichtet waren. Dabei gab es zum einen ein Krafttier und zum anderen eine indische Gottheit, deren Bedeutungen in einem Buch gleich nachgelesen werden konnten. Außerdem wurde uns gezeigt, wie chinesische Klangschalen funktionieren, da es in der Ausstellung auch eine gab, die benutzt werden konnte.
Die Ausstellung befindet sich im Kellergeschoss. Das Gebäude passt gut zu dem Thema. Begonnen wird mit Ausstellungsstücken zu Alchemie und Astrologie, es geht über zu Weltreligionen und später Hexenverfolgung und endet in einem Raum, in dem neben Indormationen zu Aberglauben und Märchen Rätsel gelöst, Pendel und die Kangschale benutzt und Geburtszahlen ausgerechnet werden können. Dadurch, dass die meisten Informationen auf Papierblättern zur Verfügung stehen, hatte ich erst den Eindruck von geringerer Professionalität, aber fand später, dass es eher eine besondere Aufmerksamkeit ausdrückt und den Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, Änderungen sehr einfach umzusetzen. Außerdem sind alle Informationen auf Deutsch und Englisch vorhanden.
Auf dem Rückweg war ich überrascht, denn die Ausstellung war mir auf dem Hinweg weitaus größer vorgekommen. Wieder am Eingang angekommen hatten wir noch die Möglichkeit, Geschicklichkeitsspiele zu lösen und zu puzzeln.
Die Stimmung im Museum ist sehr familiär, alle Angestellten sind freundlich und sehr hilfs- und auskunftsbereit. Der Besuch hat sich definitiv gelohnt.

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Das Jüdische Museum

Vor kurzem habe ich das Jüdische Museum in Berlin besucht. Grund meines Besuches war dabei die Ausstellung „Haut ab!“, bei der es um die Beschneidung von Menschen mit einem Penis aus religiösen Gründen geht. Ich war sehr froh, an einer Führung durch die Ausstellungsräume teilgenommen zu haben. Auch wenn ich das nicht gerne zugebe, empfinde ich Museen häufig als nicht besonders spannend, aber das ändert sich, wenn mich jemand hindurchführt, auf Besonderheiten hinweist und Hintergründe erklärt.
Es begann schon mit dem Namen. „Haut ab!“ bezieht sich zum einen auf die Haut, die dem Penis entfernt wird, aber auch auf den Antisemitismus und der Islamfeindlichkeit, der den Angehörigen dieser beiden Glaubensgruppen bei diesem Thema entgegenschlägt und kann gleichzeitig als Aussage von diesen gewertet werden, die sie allen anderen entgegenschleudern – haut ab, lasst uns doch in Ruhe unseren Ritualen nachgehen.
Ich glaube insbesondere auf die architektonischen Besonderheiten wäre ich alleine nicht aufmerksam geworden. Die Ausstellung beginnt mit verschiedenen Skulptren von nackten Männern, die auf einer grauen Fläche stehen – „auf Messers Schneide“. Auch, dass die drei Räume, in denen die meisten Ausstellungsstücke dargeboten werden und von denen sich jeweils einer mit dem Thema Beschneidung aus jüdischer, muslimischer und christlicher Sicht beschäftigt, so aneinander liegen, dass sie durch einen runden Tisch miteinander verbunden sind, wäre mir alleine nicht aufgefallen. Andererseits wusste ich bereits, was mich allerdings immer wieder erstaunt, dass in den USA 50-80% aller Penisse beschnitten sind und es stellt sich dabei unweigerlich die Frage, wieso dies in der einen hauptsächlich christlich geprägten Gemeinschaft entsteht, wohingegen es in Deutschland relativ unüblich ist, wenn es keine zwingenden medizinischen Gründe gibt.
Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Raum mit mehreren Stunden Videomaterial. Neben der gesamten Debatte des Bundestages zu dem Thema werden auch Dokumentationen oder Folgen von Serien gezeigt, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, Ausschnitte aus Talkshows, Diskussionen von Eltern, …
Insgesamt hat mir diese Ausstellung gezeigt, was ich so leicht vergesse, nämlich wie tief bestimmte Rituale in verschiedenen Kulturen verwurzelt sind. Ich bin nicht direkt von dem Thema Beschneidung betroffen und kann nur aus einer außenstehenden Perspektive sagen, dass ich im Anschluss an den Besuch in dieser Ausstellung von zwei Dingen überzeugt war: zum einen ist mir die Beschneidung noch ein bisschen suspekter geworden, zum anderen ist mir aber auch klar geworden, dass ich meiner Meinung nach keiner Religionsgemeinschaft einfach ihre Riten absprechen kann und das gilt nicht nur für Dinge, die ich gut nachvollziehen kann, mit denen ich mich wohl fühle, sondern eben auch für solche, mit denen ich weniger viel anfangen kann. Eigentlich ist mir das klar, aber es gibt verschiedene Stufen von verstehen, finde ich. Ich bin bei diesem Thema ausschließlich in der Rolle der Fragenden. Einen (sehr) kleinen Einblick habe ich bekommen und bin froh darüber. Ob es sich weiter entwickelt, ob ich mich weiter mit diesem Thema beschäftige weiß ich noch nicht. Die Ausstellung hat mir auf jeden Fall gut gefallen und etwas wie … ein Bedürfnis nach Bedeutung erfüllt. Ich glaube das ist es, was mich häufig an Museen stört, viele Ausstellungsgegenstände sind mir zu unpersönlich, ich entwickele keine Beziehung zu ihnen, wie klein sie auch sein mag, aber bei meinem Besuch im Jüdischen Museum war das ein bisschen anders. Ich möchte in diesem Jahr gerne mehr Museen besuchen, mal sehen was ich noch alles so erlebe. Die Sonderausstellung „Haut ab!“ ist noch bin zum 1. März 2015 im Jüdischen Museum zu erleben.

Buch-Review: Schiffbruch mit Tiger

Schiffbruch mit Tiger Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen

Dieses Buch ist eines der wenigen, bei denen ich zum einen den Film gesehen habe, bevor ich es gelesen habe und mir zum anderen der Film besser gefallen hat als das Buch und ich außerdem nicht das Gefühl hatte, dass im Film große, wichtige Teile fehlen. Im Gegenteil, ich war überrascht, welche Teile der Geschichte im Film auftreten, die im Buch nicht vorkommen. Aber es soll hier ja nicht um den Film gehen. Ich habe das Buch in Form eines Hörbuches genossen. Es handelt sich dabei um eine „autorisierte Version“, wobei ich nicht ganz sicher bin, was das bedeutet und ob Teile gekürzt sind oder nicht. Ilja Richter ist in jedem Fall ein grandioser Vorleser.
Da ich die Geschichte ja, wie gesagt, schon kannte, konnte ich beim Zuhören auch darauf achten, wie sich dies alles im Bezug auf das Ende verhält. Allerdings habe ich das zeitweise auch wieder vergessen, denn die Erzählung an sich fand ich realtiv spannend.
Es geht um Pi, den jüngeren von zwei Brüdern, dessen Familie einen Zoo in Indien besitzt. Ich hatte ganz vergessen, wie lange sich der Blick auf dessen Kindheit richtet und beschreibt, wie sehr er sich für Religionen interessiert. Allerdings kamen mir die später beinahe ein bisschen zu kurz, bzw tauchten nur mehr am Rande der Erzählung als spezifische Religion auf. Die Geschichte wendet sich, als die Eltern beschließen, die Zoo zu verkaufen und nach Nordamerika auszuwandern. Viele der verkauften Tiere werden auch dorthin verschifft und die Familie begleitet diese auf ihrem Weg in die neue Heimat. Wie der Titel des Buches erahnen lässt, geht dabei mitnichten alles gut und Pi findet sich, nach einem Schiffbruch (mehr oder weniger) alleine auf einem Rettungsboot wieder – zusammen mit einem ausgewachsenen Tiger namens Richard Parker.
Mir hat die Zeit, die ich mit Pi in Indien verbringen konnte gut gefallen und ich war beinahe ein bisschen enttäuscht, als es dann auf die Reise ging. Allerdings war auch diese Zeit sehr interessant. An vielen Stellen hatte ich aber das Gefühl, dass ein bisschen mehr von Pis Innenleben der Geschichte für mich noch größere Tiefe gegeben hätte. Es wird viel beschrieben was er tut, ein bisschen, was er sich dabei denkt, aber mehr auf eine mechanische Art und Weise und wenig (wenn auch schon ab und zu) wie er sich fühlt. Das lässt mich auch das, schon sehr elegant hergeleitete Fazit des Buches, das mich beim ersten Mal sehr (positiv) überrascht hat, weniger gläzen, als es könnte.
Außerdem hat die Beschreibung bestimmter Szenen mein Lesevergnügen etwas getrübt, denn sie waren schlichtweg ekelhaft (allerdings beabsichtigt). Man muss auch zugeben, dass in der Situation eines Schiffbruches vieles schon realistisch so passieren kann, es macht das Ganze „wirklicher“ aber trotzdem habe ich diese Passagen nicht genossen.
Alles in allem ein schönes Buch, was aber nicht zu meinen absoluten Favoriten zählt.

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